Was ein Professor so alles macht

In meinem Freundes- und Bekanntenkreis kommt regelmäßig die Frage auf, was man als Professor eigentlich den lieben, langen Tag so macht, insbesondere während der Semesterferien. Diese Fragen möchte ich zum Anlass nehmen, künftig regelmäßig in diesem Blog darüber zu berichten, was alles so anfällt, wenn man als Professor an einer Hochschule tätig ist. Ob die Dinge, die ich so tue, repräsentativ für meinen Berufsstand ist, kann ich nur bedingt einschätzen; dazu ist das Feld der Professur doch zu heterogen und unterschiedlich.

Als Einstieg in diese neue Rubrik soll der Rückblick auf die abgelaufene Woche bilden. Derzeit ist vorlesungsfreie Zeit, also Semesterferien, wobei der Begriff der Ferien nicht passt, da weder die Studierenden noch die Professoren wirklich frei haben. Bis Ende des Monats August müssen Hausarbeiten von den Studierenden erstellt werden, da am 31.08. das Sommersemester endet und bis zu diesem Zeitpunkt sämtliche Prüfungsleistungen aus dem Sommersemester erbracht werden müssten. Bei mir müssen die Studierenden aus dem Studiengang „Sustainable Business and Technology“ in zwei Kursen – Sustainable Technology Solutions sowie Lab Work – Artikel verfassen. Die übrigen Kurse von mir aus dem Sommersemester sind soweit abgeschlossen. Die Klausur in „Solar Energy“, die ich noch bis Montag korrigiert habe, ist äußerst positiv ausgefallen. Die Durchfallquote war in diesem Semester deutlich niedriger als in den übrigen Semestern (ganz verhindern lässt es sich nie, dass Studierende eine Klausur nicht bestehen). Leider lässt sich dies von den Klausuren (oder Klausurteilen) bei mir nicht sagen – dort lief es wesentlich schlechter als erwartet.

Des Weiteren war die Woche geprägt von Besprechungen mit den Studierenden in meiner Arbeitsgruppe, die sich mit der Programmierung eines Energiemodells beschäftigen. Mittlerweile ist die Zahl der Studierenden, die an dem Projekt im Rahmen von Studien- und Abschlussarbeiten mitwirken, auf sieben angewachsen. Da in dieser Woche einige neu in das Projekt eingestiegen sind, müssen die ersten Schritte abgestimmt und das allgemeine Vorgehen besprochen werden. Zwar ist hierfür der Zeitaufwand relativ groß, dennoch sollten Studierende während der Thesisphase kontinuierlich betreut werden, damit bei der Thesis die wissenschaftliche Qualität auch sichergestellt ist.

Die Begleitung des Besuchs von politischen Vertretern, die den Umwelt-Campus besichtigen, gehört ebenfalls zu den wiederkehrenden Aufgaben. Diese Woche war eine Bundestagsabgeordnete, begleitet von mehreren Kreistagsabgeordneten, an der Hochschule, um sich über die laufenden Forschungsarbeiten an der Hochschule in den Instituten ISS und IBT zu informieren. Ich konnte unser Forschungsprojekt „Ressourceneffizientes Rapid Prototyping“ live präsentieren und das Potenzial des 3D-Metalldrucks erläutern.

Schließlich stehen in den nächsten Wochen einige Vorträge an, die ich auf unterschiedlichen Veranstaltungen halten werde. Neben der Vorbereitung der Vortragsfolien für den ersten Vortrag Ende August gehört auch noch die Abstimmung zu den Vortragsrandbedingungen zu den sehr regelmäßigen Tätigkeiten. Vorträge erstelle ich quasi immer selber, damit ich meine Handschrift in den Vorträgen wiederfinde. Vorträge, die Dritte für mich vorbereiten würden, könnte ich nicht gut einem Auditorium präsentieren; das ist bei anderen Kollegen sicher anders.

Zuletzt standen noch Telefonkonferenzen zur Fortführung eines laufenden Forschungsprojekts mit den Kollegen sowie dem Mittelgeber auf dem Programm. Die Absprache mit allen Beteiligten bei Drittmittelprojekten ist immens wichtig, um eine Finanzierung aus Forschungsgeldern sicherzustellen. Das Verfassen von Forschungsanträgen kostet viel Zeit und ist mit großem Aufwand verbunden, wird dann aber mit der finanziellen Unterstützung der Projekt belohnt (sofern diese natürlich bewilligt werden, was nicht immer der Fall ist).

Alles in allem war dies eine typische Woche in der vorlesungsfreien Zeit, die sich von der Vorlesungszeit im Grunde „nur“ dadurch unterscheidet, dass keine Vorlesungen laufen. Dadurch, dass die Vorbereitungszeit für die Vorlesungen entfällt, kann die Zeit für andere Dinge genutzt werden, denn während der Vorlesungszeit bleibt insbesondere zum Antragsschreiben wenig Zeit.