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Wirtschaftlichkeit von Kleinwindenergieanlagen

Vor kurzem bin ich über eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung von Kleinwindenergieanlagen (KWEA) gestoßen, in der erwartungsgemäß herauskommt, dass sich KWEA für Privatkunden sowie Gewerbetreibende lohnen und bereits nach weniger als 15 Jahren rentieren. Eine überschlägige Rechnung zeigt jedoch, dass sich KWEA absehbar wirtschaftlich nicht rechnen werden.

Genehmigungsrechtliche Fragen sollen unberücksichtigt bleiben; folgende Angaben diesen als Eingangsparameter für die Betrachtung

  • Lebensdauer der KWEA: 20 Jahre (damit sollte die Amortisationszeit < 20 Jahre betragen),
  • Elektrische Leistung: 5 kW, spezifische Kosten: 5.000 EUR, Betriebskosten 1,5 % der Investkosten mit einer Steigerung von 1%/a.
  • Stromkosten 0,28 EUR/kWh, Strompreissteigerung 2 %/a, Einspeisetarif 0,086 EUR/kWh, Eigenverbrauchsquote 70 %
  • Weibullparameter für Geschwindigkeitsverteilung an einem inländischen Standort: a = 5,0; k=1,6

Damit ergäbe sich, dass die mittlere Windgeschwindigkeit mindestens 4,5 m/s auf Nabenhöhe betragen müsste (entspräche knapp 1.500 Volllaststunden und einem Stromgestehungspreis von rund 0,263 EUR/kWh), damit sich die KWEA spätestens nach 20 Jahren amortisiert hätte. Solche Werte sind in der Regel sicher unrealistisch.

Selbst unter der Annahme von optimaleren Eingangsparametern für Gewerbetreibende (größere Nabenhöhe mit damit verbundener größerer Windgeschwindigkeit) wird sich die Amortisation nicht verbessern, da meistens die Stromkosten für Gewerbetreibende deutlich kleiner als der Strompreis für Privatkunden sind. Daraus ergibt sich typsicherweise eine Verschlechterung der Amortisation.

Sicherlich kommt es immer auf den Einzelfall an, in den meisten Fällen wird sich eine KWEA jedoch sowohl im privaten als auch gewerblichen Bereich wirtschaftlich nicht rentieren. Und durch die kontinuierlichen Anpassungen des EEG in Bezug auf die Einspeisebedingungen wird die Rentabilität weiter sinken. Von daher ist bei den Kleinwindenergieanlagen keine positive Entwicklung zu erwarten und die Anlagen werden keinen signifikanten Beitrag zur Energiewende leisten können.

Die immergleichen Argumente gegen Windenergie

Die typischen Argumente der Windenergiegegner, die aus Deutschland nur zu gut bekannt sind, lassen sich bei unseren europäischen Nachbarn eins zu eins wiederfinden. So kämpft die Region Katwijk, Noordwijk und Zandvoort südwestlich von Amsterdam gegen die Errichtung des Offshore-Windparks Luchterduinen.

Offshore-Windpark Luchterduinen in der Nordsee. Bau einer WEA

Offshore-Windpark Luchterduinen in der Nordsee. Bau einer WEA

Eines der zentralen Argumente der Region, die stark auf den Tourismus fokussiert ist, ist, dass der Windpark nicht gut aussieht und daher die Touristen vertreibt. Dieses Argument ist sicherlich eines der häufigsten der Windenergiegegner, wenn auch sehr subjektiv (Man sollte mal die Bewohner der Orte in der Nähe von Garzweiler (Impressionen) fragen, ob WEA hässlicher als Braunkohlebagger sind.).

Plakat der Gegner zum Bau des Offshore-Windparks Luchterduinen

Berücksichtigt werden sollte jedoch, dass zum einen die Region zwischen Katwijk, Noordwijk und Zandvoort in der Einflugscheise des Flughafens Schipol in Amsterdam liegt. Die Flugzeuge drehen im Minutentakt im Landeanflug auf Schipol eine Runde über den Küstenstreifen. Hervé Saint-Amand hat mithilfe eines Python-Skripts und den Flugdaten von Flightradar24.com die Flugrouten von und nach Schipol über eine Woche aufgezeichnet und eindrucksvoll dargestellt. Für Besucher der Strandabschnitte sind die tieffliegenden Flugzeuge im Landeanflug ein nicht zu überhörendes Ärgernis. (Bleibt die Frage, wo das Argument gegen die großen Lautstärkepegel der WEA oder die Belastung durch den Infraschall bleibt).

Des Weiteren tragen die Großschiffe, die vor der Küste außerhalb des Hoheitsgebiets der Niederlande warten, um in den Hafen von Scheveningen bei Den Haag einzulaufen, sicher auch nicht zur Verbesserung des ungetrübten Ausblicks auf das Meer bei. Wahrscheinlich stören sich die Küstenbewohner aber weniger am Anblick eines Schiffes als an einer WEA.

Es zeigt sich also, dass die Argumente gegen die Erneuerbaren offenbar überall die gleichen sind, sich jedoch ebenso schnell als fadenscheinig entlarven lassen. Doch dies ist wohl der Kampf, den die erneuerbaren Energiesysteme heutzutage annehmen müssen, um sich langfristig durchzusetzen.

Ergänzung von neuen Fotos in der Galerie

In der Galerie sind weitere Fotos von unterschiedlichen fossilen und erneuerbaren Energieerzeugungssystemen (Photovoltaik, Windenergie, Biomasse, Wasserkraft) hinzugekommen.

Die Fotos können unter der Creative Commons Lizenz CC BY-NC-SA 3.0 DE bearbeitet und verwendet werden.

Unterschiedliches Maß für die Abstandsregelung von Windkraftanlagen und Kernkraftwerken

Die Bayerische Staatsregierung hat einen Gesetzesentwurf eingebracht, der die Anpassung der höhenbezogenen Mindestabstände von Windkraftanlagen zur Wohnbebauung vorsieht. Der Plan ist, dass Windkraftanlagen einen Mindestabstand vom zehnfachen ihrer Höhe zu Wohngebäuden einhalten müssen (Quelle BayRVR). Die Höhe einer Windkraftanlage definiert sich dabei als die Nabenhöhe zuzüglich des Radius des Rotors.

Begründet wird die Gesetzesinitiative mit der “rasanten technologischen Entwicklung […], die dazu geführt hat, dass sowohl die Größe der Rotoren als auch die Gesamthöhe von WKA deutlich zugenommen hätten. Diese Entwicklung habe Auswirkungen auf die Akzeptanz in der Bevölkerung für die Errichtung von WKA sowohl in ihrem näheren Wohnumfeld als auch das Landschaftsbild betreffend (Verspargelung).

Wenn diese Abstandsregelung auf moderne Windkraftanlagen angewendet wird, führt dies bei einer WKA mit einer Nabenhöhe von 150 m und einem Rotorradius von 50 m zu einem Mindestabstand der WKA zu Wohngebäuden von 2.000 m. Wird diese Abstandsregelung beispielsweise mit bestehenden Abständen von den drei Kernkraftwerken in Bayern, Gundremmingen, Grafenrheinfeld sowie Isar/Ohu, zum nächstgelegenen Wohngebäude verglichen, zeigt sich folgendes Bild:

  • Gundremmingen: Abstand rund 1.000 m.
  • Grafenrheinfeld: Abstand rund 800 m.
  • Isar/Ohu: Abstand rund 100 m.
    (Dargestellt ist jeweils der kürzeste Fußweg vom äußeren Rand des Kernkraftwerksgeländes zum nächstgelegenen Wohngebäude, die direkten Luftlinienabstände sind kleiner.)

Deutlich wird also, dass die Bayerische Staatsregierung andere Maßstäbe bei der Abstandsregelung von konventionellen und erneuerbaren Energiesystemen ansetzt.