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Photovoltaikanlagen sind umweltschädlicher als Kernkraftwerke

Das Magazin heise online berichtet von einer “Studie” (die Anführungszeichen sind in diesem Zusammenhang bewusst gewählt) mit dem Titel “Are we headed for a solar waste crisis?” der Initiative “Environmental Progress“, in der belegt werden soll, dass Photovoltaikanlagen rund 300-Mal mehr belasteten Abfall in Bezug auf die produzierte Energiemenge als Kernkraftwerke erzeugen. Einen direkten Link zu dieser “Studie” gibt es leider nicht, sodass das (pseudo-)wissenschaftliche Vorgehen in dieser “Studie” nicht nachgeprüft werden kann.

Kernkraftwerk Mülheim-Kärlich vor dem Rückbau

Laut den Autoren der Studie, Jemin Desai und Mark Nelson, erzeugt ein Kernkraftwerk pro produzierter TWh elektrischer Energie lediglich rund 780 Tonnen Beton und etwa 200 Tonnen Stahl als Abfallstoff nach dem Rückbau. Photovoltaikanlagen hingegen verursachen folgende (gefährliche) Reststoffe:

  • 3.700 Tonnen Zement,
  • 400 Tonnen Beton,
  • 2.650 Tonnen Glas,
  • 8.000 Tonnen Stahl und
  • 2.000 Tonnen sonstige Materialien (u. a. Blei Cadmium und Chrom).

Bei objektiver Betrachtung fällt auf, dass die Autoren der “Studie” offensichtlich noch nicht einmal in der Lage sind, Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Bei PV-Anlagen wird scheinbar nicht nur die Fertigungsfabrik der Solarmodule, sondern auch das Gebäude mit der PV-Anlage auf dem Dach “auf den Müll geworfen”, um solche Reststoffverbrauchszahlen zu ermitteln. Bei Kernkraftwerken hingegen wird die Behandlung der radioaktiv verseuchten Reste (Brennstäbe, Reaktorbauteile) völlig außer acht gelassen, sondern es werden lediglich die Reststoffe des reinen Kernkraftgebäudes betrachtet. Dies ist ein sehr “interessanter” Ansatz zur Berechnung des Umweltschadens durch PV-Anlagen und Kernkraftwerke.

Etwas besser lässt sich dieses Ergebnis der “Studie” einordnen, wenn berücksichtigt wird, dass die Initiative und insbesondere der Gründer von Environmental Progress, Michael Shellenberger, sehr eng mit der US-amerikanischen Kernkraftlobby zusammenarbeiten. Aber selbst dann muss man schon sehr kreativ sein, um eine solche “Studie” zu verfassen.

Die Folgen einer Kernschmelze für die Region Trier-Hunsrück-Hochwald

Basierend auf Daten des Projekts flexRISK des Instituts für Meteorologie der Universität für Bodenkultur in Wien haben Redakteure des Online-Magazins SPIEGEL ONLINE eine interaktive Karte zum Strahlungsrisiko nach einer Kernschmelze eines Kernkraftwerks in Europa erstellt. Der Artikel fokussiert sich primär auf die Folgen eines GAUs im Kernkraftwerk Tihange an der deutsch-belgischen Grenze. Dabei geht es darum, Wahrscheinlichkeiten zu ermitteln und darzustellen, dass eine Region nach einer Kernschmelze mit der daraus resultierenden Strahlenbelastung nicht mehr bewohnbar ist.

Für die Region Trier-Hunrsück-Hochwald lassen sich aus den Simulationen des Projekts flexRISK folgende Schlussfolgerungen in Bezug auf die Bewohnbarkeit sowie die Erntevernichtung ziehen:

Kernkraftwerk Dauerhaft unbewohnbar Erntevernichtung
Cattenom, FR 10-20% > 50 %
Chooz, FR 2-5 % 10-15 %
Nogent, FR 2-5 % 10-15 %
Philippsburg, DE 2-5 % 10-15 %
Tihange, BE 2-5 % 10-15 %
Doel, BE < 2 % 10-15 %
Belleville, FR < 2 % 5-15 %
Dampierre, FR < 2 % 5-15 %
Saint Laurent, FR < 2 % 5-15 %
Fessenheim, FR < 2 % 5-10 %
Borssele, NL < 2 % 2-5 %

Erwartungsgemäß wäre für die Region Trier-Hunsrück-Hochwald ein GAU im Kernkraftwerk Cattenom bedingt durch die kurze Distanz von rund 60 km Luftlinie am verheerendsten. Dennoch ist die Liste der Kernkraftwerke mit einem unmittelbaren Einfluss auf die Region lang.

Zwar ist die Wahrscheinlichkeit einer Nuklearkatastrophe wie in Fukushima oder Tschernobyl sehr gering, dennoch gab es seit Beginn der konventionellen Energieerzeugung durch Kernspaltung in den 1950er Jahre bereits zwei katastrophale Unfälle. Damit ist nicht auszuschließen, dass es trotz höchster Sicherheitsstandards in Zukunft erneut zu einem schweren oder katastrophalen Unfall in einem Kernkraftwerk kommt. Durch die geplante Abschaltung des Kernkraftwerks Philippsburg bis Ende 2019 wird ein Gefahrenherd für die Region mittelfristig beseitigt. Dennoch muss das Ziel sein, die Nutzung der Kernkraft ob der Gefahren und der weiterhin ungeklärten Fragen in Bezug auf die Endlagerung der Brennstäbe zu beenden und auf alternative Energieerzeugungssysteme zu setzen.

Was man mit 20 Mrd. USD erreichen könnte

BP muss für die Umweltschäden durch die Explosion auf der Ölbohrplattform Deepwater Horizon 20,8 Mrd. $ (= rd. 18 Mrd. €) Strafe an unterschiedliche Institutionen zahlen. Wird dieser Betrag ins Verhältnis zu Installationskosten von Windenergie- oder Photovoltaikanlagen bzw. mit laufenden Kosten für die Einspeisevergütung von Erneuerbaren in Deutschland gesetzt, relativieren sich die “Subventionen” der Erneuerbaren sehr schnell im Vergleich zu den Kosten, welche durch die fossile Energieversorgung insbesondere durch Einzelereignisse verursacht werden.

In den vergangenen Jahren ist es immer wieder bei den unterschiedlichen fossilen Energiesystemen zu schwerwiegenden Katastrophen gekommen, die neben schweren Umweltschäden vor allem hohe Kosten verursacht haben:

  • Deepwater Horizon 18 Mrd. €
  • Kernschmelze im japanischen Kernkraftwerk Fukushima Daiichi 150-230 Mrd. €
  • Kernschmelze im Kernkraftwerk in Tschernobyl 160 Mrd. €
  • Sanierung Endlager Asse 4-6 Mrd. €

Anhand der Kosten dieser Einzelereignisse zeigt sich, dass mit den Geldern problemlos die Einspeisevergütungen für Photovoltaik- und Windenergieanlagen von rund 200 Mrd. € gezahlt werden könnten. Die Strafzahlungen, die BP für Deepwater Horizon zahlen muss, reichten beispielsweise aus, um in Deutschland ca. 9 GW Windenergieanlagen und rund 7,5 GWp Photovoltaikanlagen zusätzlich zu installieren. Alternativ ließe sich ein umfassendes Forschungsförderprogramm für die Weiterentwicklung von Batteriespeichern aufsetzen.

Frühlingsimpressionen vom ehemaligen Kernkraftwerk Mülheim-Kärlich

Einige Impressionen vom ehemaligen Kernkraftwerk Mülheim-Kärlich bei Koblenz, Rheinland-Pfalz.

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Frühlingsimpressionen am ehemaligen Kernkraftwerk Mülheim-Kärlich. Blick auf das Reaktorgebäude und den Kühlturm.

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Frühlingsimpressionen am ehemaligen Kernkraftwerk Mülheim-Kärlich. Im Hintergrund ist das Reaktorgebäude zu erkennen.

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Frühlingsimpressionen am ehemaligen Kernkraftwerk Mülheim-Kärlich

Weiterführende Informationen zum Kernkraftwerk, das ist derzeit im Rückbau befindet, sind auf der Webseite der RWE zu finden.

Unterschiedliches Maß für die Abstandsregelung von Windkraftanlagen und Kernkraftwerken

Die Bayerische Staatsregierung hat einen Gesetzesentwurf eingebracht, der die Anpassung der höhenbezogenen Mindestabstände von Windkraftanlagen zur Wohnbebauung vorsieht. Der Plan ist, dass Windkraftanlagen einen Mindestabstand vom zehnfachen ihrer Höhe zu Wohngebäuden einhalten müssen (Quelle BayRVR). Die Höhe einer Windkraftanlage definiert sich dabei als die Nabenhöhe zuzüglich des Radius des Rotors.

Begründet wird die Gesetzesinitiative mit der “rasanten technologischen Entwicklung […], die dazu geführt hat, dass sowohl die Größe der Rotoren als auch die Gesamthöhe von WKA deutlich zugenommen hätten. Diese Entwicklung habe Auswirkungen auf die Akzeptanz in der Bevölkerung für die Errichtung von WKA sowohl in ihrem näheren Wohnumfeld als auch das Landschaftsbild betreffend (Verspargelung).

Wenn diese Abstandsregelung auf moderne Windkraftanlagen angewendet wird, führt dies bei einer WKA mit einer Nabenhöhe von 150 m und einem Rotorradius von 50 m zu einem Mindestabstand der WKA zu Wohngebäuden von 2.000 m. Wird diese Abstandsregelung beispielsweise mit bestehenden Abständen von den drei Kernkraftwerken in Bayern, Gundremmingen, Grafenrheinfeld sowie Isar/Ohu, zum nächstgelegenen Wohngebäude verglichen, zeigt sich folgendes Bild:

  • Gundremmingen: Abstand rund 1.000 m.
  • Grafenrheinfeld: Abstand rund 800 m.
  • Isar/Ohu: Abstand rund 100 m.
    (Dargestellt ist jeweils der kürzeste Fußweg vom äußeren Rand des Kernkraftwerksgeländes zum nächstgelegenen Wohngebäude, die direkten Luftlinienabstände sind kleiner.)

Deutlich wird also, dass die Bayerische Staatsregierung andere Maßstäbe bei der Abstandsregelung von konventionellen und erneuerbaren Energiesystemen ansetzt.