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Die Folgen einer Kernschmelze für die Region Trier-Hunsrück-Hochwald

Basierend auf Daten des Projekts flexRISK des Instituts für Meteorologie der Universität für Bodenkultur in Wien haben Redakteure des Online-Magazins SPIEGEL ONLINE eine interaktive Karte zum Strahlungsrisiko nach einer Kernschmelze eines Kernkraftwerks in Europa erstellt. Der Artikel fokussiert sich primär auf die Folgen eines GAUs im Kernkraftwerk Tihange an der deutsch-belgischen Grenze. Dabei geht es darum, Wahrscheinlichkeiten zu ermitteln und darzustellen, dass eine Region nach einer Kernschmelze mit der daraus resultierenden Strahlenbelastung nicht mehr bewohnbar ist.

Für die Region Trier-Hunrsück-Hochwald lassen sich aus den Simulationen des Projekts flexRISK folgende Schlussfolgerungen in Bezug auf die Bewohnbarkeit sowie die Erntevernichtung ziehen:

Kernkraftwerk Dauerhaft unbewohnbar Erntevernichtung
Cattenom, FR 10-20% > 50 %
Chooz, FR 2-5 % 10-15 %
Nogent, FR 2-5 % 10-15 %
Philippsburg, DE 2-5 % 10-15 %
Tihange, BE 2-5 % 10-15 %
Doel, BE < 2 % 10-15 %
Belleville, FR < 2 % 5-15 %
Dampierre, FR < 2 % 5-15 %
Saint Laurent, FR < 2 % 5-15 %
Fessenheim, FR < 2 % 5-10 %
Borssele, NL < 2 % 2-5 %

Erwartungsgemäß wäre für die Region Trier-Hunsrück-Hochwald ein GAU im Kernkraftwerk Cattenom bedingt durch die kurze Distanz von rund 60 km Luftlinie am verheerendsten. Dennoch ist die Liste der Kernkraftwerke mit einem unmittelbaren Einfluss auf die Region lang.

Zwar ist die Wahrscheinlichkeit einer Nuklearkatastrophe wie in Fukushima oder Tschernobyl sehr gering, dennoch gab es seit Beginn der konventionellen Energieerzeugung durch Kernspaltung in den 1950er Jahre bereits zwei katastrophale Unfälle. Damit ist nicht auszuschließen, dass es trotz höchster Sicherheitsstandards in Zukunft erneut zu einem schweren oder katastrophalen Unfall in einem Kernkraftwerk kommt. Durch die geplante Abschaltung des Kernkraftwerks Philippsburg bis Ende 2019 wird ein Gefahrenherd für die Region mittelfristig beseitigt. Dennoch muss das Ziel sein, die Nutzung der Kernkraft ob der Gefahren und der weiterhin ungeklärten Fragen in Bezug auf die Endlagerung der Brennstäbe zu beenden und auf alternative Energieerzeugungssysteme zu setzen.