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Unterschiedliches Maß für die Abstandsregelung von Windkraftanlagen und Kernkraftwerken

Die Bayerische Staatsregierung hat einen Gesetzesentwurf eingebracht, der die Anpassung der höhenbezogenen Mindestabstände von Windkraftanlagen zur Wohnbebauung vorsieht. Der Plan ist, dass Windkraftanlagen einen Mindestabstand vom zehnfachen ihrer Höhe zu Wohngebäuden einhalten müssen (Quelle BayRVR). Die Höhe einer Windkraftanlage definiert sich dabei als die Nabenhöhe zuzüglich des Radius des Rotors.

Begründet wird die Gesetzesinitiative mit der “rasanten technologischen Entwicklung […], die dazu geführt hat, dass sowohl die Größe der Rotoren als auch die Gesamthöhe von WKA deutlich zugenommen hätten. Diese Entwicklung habe Auswirkungen auf die Akzeptanz in der Bevölkerung für die Errichtung von WKA sowohl in ihrem näheren Wohnumfeld als auch das Landschaftsbild betreffend (Verspargelung).

Wenn diese Abstandsregelung auf moderne Windkraftanlagen angewendet wird, führt dies bei einer WKA mit einer Nabenhöhe von 150 m und einem Rotorradius von 50 m zu einem Mindestabstand der WKA zu Wohngebäuden von 2.000 m. Wird diese Abstandsregelung beispielsweise mit bestehenden Abständen von den drei Kernkraftwerken in Bayern, Gundremmingen, Grafenrheinfeld sowie Isar/Ohu, zum nächstgelegenen Wohngebäude verglichen, zeigt sich folgendes Bild:

  • Gundremmingen: Abstand rund 1.000 m.
  • Grafenrheinfeld: Abstand rund 800 m.
  • Isar/Ohu: Abstand rund 100 m.
    (Dargestellt ist jeweils der kürzeste Fußweg vom äußeren Rand des Kernkraftwerksgeländes zum nächstgelegenen Wohngebäude, die direkten Luftlinienabstände sind kleiner.)

Deutlich wird also, dass die Bayerische Staatsregierung andere Maßstäbe bei der Abstandsregelung von konventionellen und erneuerbaren Energiesystemen ansetzt.