Energie oder Leistung

Das Online-Magazin SPIEGEL ONLINE berichtet über ein aktuelles Projekt der EWE AG zur Errichtung eines Stromspeichers durch Ausnutzung von Salzkavernen in Friesland. Die F.A.Z. berichtet in ihrem Wirtschaftsteil ausführlich über dieses Projekt.

In dem Artikel von SPIEGEL ONLINE wird von der „größten Batterie der Welt“ gesprochen, „[…] die im Jahre 2023 mit einer Leistung von 120 Megawatt in Betrieb genommen werden […]“ könnte. Dabei wird darauf verwiesen, dass die Leistung der Batterie ausreiche, um die Großstadt Berlin eine Stunde bzw. die Stadt Oldenburg einen Tag mit Strom zu versorgen. Hier zeigt sich mal wieder ein mangelndes physikalisches Grundwissen zum Unterschied zwischen Energie und Leistung. Entscheidend ist natürlich zunächst die energetische Speicherkapazität der Batterie – die Ausgangsleistung ist relevant für die Abschätzung, ob ein momentaner Strombedarf gedeckt werden kann.

Im Jahr 2014 betrug der Jahresstromverbrauch von Berlin laut des Hauptstadtportals berlin.de rund 13,4 TWh. Das Amt für Statistik Berlin Brandenburg gibt den Bruttojahresstromverbrauch von Berlin für 2014 mit 14,2 TWh an. Unter der stark vereinfachten Annahme, dass in Berlin damit durchschnittlich pro Stunde 1,5 GWh Strom verbraucht wird, müsste eine Batterie eine Stunde lang eine Ausgangsleistung von 1,5 GW, also die zwölffache Leistung der aufgeführten Batterie im Artikel, haben, um Berlin eine Stunde mit Strom zu versorgen. Auch eine Verwechslung von Leistung (120 MW) und Energie (120 MWh) würde nicht zu der Aussage führen, dass das Batteriesystem Berlin für eine Stunde mit Strom versorgen könnte.

Leider ist es häufig zu beobachten, dass energetische Kennzahlen in journalistischen Artikeln schlecht recherchiert und unkritisch dargelegt werden, sodass trotz der sehr interessanten technischen Konzepte, die in den Artikeln vorgestellt werden, ein fader Beigeschmack verbleibt, weil die physikalischen Grundlagen falsch dargestellt sind.