Die ewige Kritik am Bologna-Prozess

Nach der harten Kritik des Präsidenten Eric Schweitzer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) an der Qualität der Ausbildung von Hochschulabsolventen im Rahmen ihres Bachelorstudiums ist die Diskussion um den Bologna-Prozess mal wieder voll entbrannt. Nachdem sehr lange vor dem Fachkräftemangel insbesondere in den MINT-Fächern gewarnt wurde, obwohl sich dafür kaum Belege finden ließen, wird nun behauptet, dass es in Deutschland eine Überakademisierung gibt. Auch wird das ewige Für und Wider zum Bologna-Prozess erneut diskutiert.

Die Vorstellung, dass sich ein achtsemestriges Diplomstudium eins zu eins auf ein sechssemestriges Bachelorstudium übertragen lässt, ist natürlich vermessen. Und wenn darüber hinaus auch noch neben einer fundierten Grundlagenausbildung ein intensiver Praxisbezug des Studiums verlangt wird, dann geht diese Fordung völlig an der Realität vorbei.

Das Bachelorstudium sollte als das angesehen werden, was es leisten kann. Die Studierenden erlernen die wesentlichen Grundlagen und erhalten einen ersten Einblick in die praktische Arbeit. Fortgeschrittene Inhalte werden im anschließenden Masterstudium vermittelt. Vorschläge, das Bachelorstudium weiter umzugestalten, scheitern sowohl am eng gestrickten Curriculum als auch an den Rahmenbedingungen an den Hochschulen. Aber da die Kritik am Hochschulwesen so alt wie das Hochschulewesen an sich ist (siehe zum Beispiel die Reihe „Mit dem Latein am Ende“ des SPIEGELS aus dem Jahre 1969), wird sich an der Diskussionsfreude zu dem Thema nichts ändern. Studierende sollten sich davon jedoch nicht verunsichern lassen.