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Neues Wahlpflichtfach: Energieinformatik

Im laufenden Wintersemester biete ich für Bachelor- und Masterstudierende ein neues Wahlpflichtmodul “Energieinformatik” an.

Folgende Inhalte werden in den Modul vermittelt:

Um Energiesysteme unter Berücksichtigung volatiler, regenerativer Energiequellen modellieren, simulieren und optimieren zu können, müssen die Erzeugungs- und Verbrauchssysteme in einer Region digital erfasst und parametrisiert werden, sodass aus diesem System unter anderem Rückschlüsse auf Potenziale zur Energieeinsparung sowie Prognosen zur künftigen Entwicklung abgeleitet werden können. Hierzu werden die Studierenden folgende Punkte erarbeiten:

  • Auswahl eines regionalen Energiesystems (Energieholon, Quartier, Energiewabe)
  • Aufbau einer Datenbankstruktur
  • Programmierung von Skripten zur Modellierung des Energiesystems
  • Optimierung des Energiesystems
  • Visualisierung des Energiesystems

Die Veranstaltung findet immer donnerstags, 9:00-12:10 Uhr, in Raum 9924-027 statt und beginnt am 12. Oktober. Bitte bringen Sie Ihr Notebook zum Seminar mit. Die Verwaltung des Kurses erfolgt in OLAT.

Stilblüten aus dem Praktikum: Mechanik

Nicht nur Bachelorstudierende in Klausuren sind in der Lage, interessante Stilblüten zu fabrizieren, sondern auch Masterstudierende neigen zu physikalischen Stilblüten.
In diesem Fall geht es um einen Praktikumsversuch im Modul “Physik M” zu gekoppelten Pendeln, bei dem die Studierenden die wesentlichen Inhalte zur klassischen Mechanik, zu Eigenwertproblemen sowie zu Normalschwingungen sich erarbeiten und anwenden sollen.

Der Versuch gliedert sich in vier Teile: Bestimmung der Schwingungsdauer für die parallele und antiparallele Schwingung sowie die Schwebung, Vergleich der Schwebungsdauer aus Theorie und Experiment, Ermittlung der Erdbeschleunigung g und Untersuchung der Schwingungsdämpfung durch Bestimmung der Dämpfungskonstanten \beta aus dem logarithmischen Dekrement.

Auffällig ist, dass den Masterstudierenden, obwohl bereits einen Studienabschluss in der Tasche, nur eingeschränkt in der Lage sind, physikalische Zusammenhänge klar und schlüssig darzustellen sowie Messergebnisse kritisch zu hinterfragen und zu bewerten.

Bei der Ermittlung der Erdbeschleunigung g ergab sich bei einigen Studierenden ein Wert von g=8~\text{m/s}^2. Dieser Fehler entstand durch die fehlerhafte Berechnung des Schwerpunkts des Pendels, da der Schwerpunkt bei einer Stablänge von L=1~\text{m} und einer Stabmasse von 0,2 kg sowie einer Masse des Pendels von M=1~\text{kg} fälschlicherweise bei 0,4 m statt bei 0,9 m ermittelt wurde. Zu erwarten wäre, dass die Studierenden den falschen Wert prüfen und sich auf Fehlersuche begeben anstatt ihren Wert im Praktikumsbericht ohne weitere Kommentare zu belassen.

Ein weiteres, häufiges Problem, der bei der Anwendung der Regeln zur Fehlerrechnung auftrat, war die korrekte partielle Ableitung von Funktionen mehrerer Veränderlicher. So war eine Reihe von Studierenden nicht in der Lage, die Funktion

(1)   \begin{equation*} f(x,y) = \frac{x \cdot y}{x-y} \end{equation*}

fehlerfrei partiell nach x bzw. y abzuleiten. Durch die Symmetrie der Funktion ist zu sehen, dass die partiellen Ableitungen nach x und y Ähnlichkeiten aufweisen müssen. Die Rechenfehler bei den Ableitungen führten dazu, dass der relative Fehler der resultierenden Schwebungsdauer mehr als 50 % betrug, die Studierenden also hätten erkennen können, dass ein Rechenfehler vorliegen könnte.

Schließlich trat bei vielen Studierenden das Problem auf, den Dämpfungsfaktor \beta der Einhüllenden bei der Betrachtung der gedämpften Schwingung des Pendels zu bestimmen. Bei einer exponentiell fallenden Kurve ist es zweckmäßig, statt der Amplitude den Logarithmus der Amplitude gegen die Schwingungsdauer t aufzutragen, da sich der Dämpfungsfaktor dann als Steigung der Geraden ergibt. Stattdessen werden nach 100, 200 und 300 Schwingungen des Pendels die Amplituden gemessen und dann der Mittelwert (!) aus den drei Werten ermittelt. Dieser Mittelwert soll dann dem Dämpfungsfaktor \beta entsprechen.

Wie sich bei der Durchsicht der Praktikumsberichte zeigt, fehlen offensichtlich vielen Studierenden an dieser Stelle elementare mathematische und physikalische Kenntnisse sowie ein Vorstellungsvermögen, wie die Theorie mit den Beobachtungen im Experiment zusammenhängt. Natürlich gibt es auch Studierende, die diese Probleme nicht haben, die Studierenden jedoch eindeutig in der Minderheit. Und obwohl es sich um Masterstudierende handelt, die bereits einen Studienabschluss aufweisen, offenbaren sich grundlegende Mängel in höherer Mathematik und Physik. Im konkreten Fall kann den Studierenden zugute gehalten werden, dass die Zeit für die Erstellung der Praktikumsberichte verhältnismäßig kurz war, dennoch darf dies keine Entschuldigung für die beschriebenen Mängel sein. Unabhängig vom zuvor abgeschlossenen Bachelorstudium scheinen mathematische und physikalische Grundkompetenzen zu fehlen, die in einem Ingenieursmasterstudium Voraussetzung sein müssen, um sowohl die abschließende Masterthesis erfolgreich zu bewältigen als auch im Berufsleben das Erlernte anzuwenden und zu erweitern.

Den von uns in dem Physik-Modul eingeschlagenen Weg werden wir trotz bzw. gerade wegen der Mängel der Studierenden fortsetzen. Dass die Studierenden über den damit verbundenen hohen Arbeits- und Zeitaufwand klagen, nehmen wir gerne in Kauf, um die Inhalte des Moduls umfassend und praxisorientiert zu vermitteln. Und es ist abzusehen, dass weitere Stilblüten in Zukunft zu erwarten sind.

Hinweise zu Praktika und Praxisphase im Studiengang Erneuerbare Energien

Auf der Webseite zum Bachelor-Studiengang “Erneuerbare Energien” sind nun zum einen die wesentlichen Informationen zum Ablauf des Studiums aufgeführt und des Weiteren zwei Ratgeber für die Durchführung des Grund- und Fachpraktikums und der praktischen Studienphase verfügbar.

Die Ratgeber sollen den Studierenden dazu dienen, die wesentlichen Informationen und Modalitäten sowohl für die Praktika als auch die praktische Studienphase in kompakter und übersichtlicher Form dargestellt zu bekommen. Ergänzt werden die Ratgeber durch persönliche Checklisten, um alle wesentlichen Punkte beim Absolvieren der Praktika zu berücksichtigen. Die Ratgeber ersetzen natürlich nicht die Ordnung für die praktische Vorbildung bzw. die Ordnung für die praktische Studienphase als offizielle Regularien seitens der Hochschule. Mit beiden Dokumenten sollte man sich als Studierender vor bzw. während des Studiums auseinandergesetzt haben.

Informationen für Studierende zum Bachelor-Studiengang “Erneuerbare Energien” sind unter folgendem Link zu finden:
https://www.umwelt-campus.de/ucb/index.php?id=erneuerbare_energien_bachelor

Für Studieneinsteiger und Interessierte am Bachelor-Studiengang “Erneuerbare Energien” am Umwelt-Campus bietet sich folgende Einstiegsseite an:
https://www.umwelt-campus.de/ucb/index.php?id=erneuerbare_energien

Projekt- und Abschlussarbeiten im Sommersemester 2017 [Update]

Umwelt-Campus Birkenfeld

Für das kommende Sommersemester 2017 gibt es wieder unterschiedliche Projekt- und Abschlussarbeiten im Labor für Erneuerbare Energien:

  • NEU: Tool zur Eigenverbrauchsanalyse von PV-Anlagen (Bachelor/Master)
  • NEU: Technische Optimierung der PV-Anlage am Umwelt-Campus (Bachelor/Master)
  • NEU: Entwicklung eines Tools zur Lastprofilanalyse (Bachelor/Master)
  • Ertragsdatenanalyse von Photovoltaikanlagen (Bachelor/Master)
  • Weiterentwicklung des Energienutzungsplans für die Nationalparkregion (Bachelor/Master)
  • Untersuchung der Energieeffizienz beim 3D-Druck (Bachelor/Master)
  • Entwicklung eines Skripts zur automatischen Übertragung von DWD-Wetterdaten in eine Datenbank (Bachelor)

Die Liste wird laufend ergänzt und erweitert.

Eine Übersicht der aktuellen Ausschreibungen ist unter
https://www.umwelt-campus.de/ucb/index.php?id=projektarbeiten_te_heesen
zu finden.

Rate my Prof – im Wintersemester 2016/17

Auch in diesem Semester waren die Studierenden wieder aufgerufen, die Lehrveranstaltungen bei mir zu evaluieren. Herausgreifen möchte ich die beiden Veranstaltungen “Bioenergie und Wärmenutzung” aus dem 5. Semester des Bachelorstudiengangs “Erneuerbare Energien” sowie “Energienutzung und Energietechnik der erneuerbaren Energien” aus dem 3. Semester des Masterstudiengangs “Umweltorientierte Energietechnik“. In beiden Modulen mussten die Studierenden während des Semesters praxisorientierte Übungsaufgaben bearbeiten, die zu einem gewissen Anteil in die Gesamtnote einflossen. Zudem gab es mündliche Prüfungen zum Abschluss des jeweiligen Kurses. Mein Ziel in den Modulen war es, den Wissenstransfer für die Studierenden durch die wöchentlichen Pflichtübungen zu vergrößern, sodass die Studierenden angehalten waren, im laufenden Semester bereits aktiv mitzuarbeiten, um nicht erst am Semesterende für die Prüfungsvorbereitung in die Vorlesungsunterlagen zu schauen.

In den Evaluationsbögen zeigt sich deutlich, dass die Bewertung der beiden Veranstaltungen wesentlich schlechter als vergleichbare Kurse ohne Pflichtübungen sind. Auf die Frage nach dem durchschnittlichen Aufwand gaben mehr als 3/4 aller Studierenden an, mehr als sechs Stunden pro Woche in die Vor- und Nachbereitung investieren zu müssen. Dies hat zur Folge, dass beide Studierendengruppen auf die Frage nach der regelmäßigen Vor- und Nachbereitung des Kurses mit über 80 Prozent “trifft völlig zu” antworteten. Die Fragen zu den erworbenen Fähigkeiten und Fertigkeiten werden zum überwiegenden Teil sehr positiv beantwortet. Die Zunahme des Wissenstands durch den Besuch der Veranstaltungen wird in hohem bzw. sehr hohem Maße bewertet. Ein zentrales Ziel bei der Wissensvermittlung ist mir also gelungen – die intensive Beschäftigung der Studierenden mit dem Stoff und die selbstständige Arbeit mit dem Erlernten.

TafelJedoch geht der hohe Aufwand, der den Studierenden in beiden Kursen abverlangt wurde, zu Lasten der Gesamtbewertung. In Schulnoten bekommen die beiden Veranstaltungen lediglich eine 1,9 für den Masterkurs und eine 2,5 für den Bachelorkurs. Dies spiegelt sich auch in den Freitextkommentaren der Studierenden, die den “sehr hohen Arbeitsaufwand” kritisieren (insbesondere in Bezug auf die 5 ECTS-Punkte). Der “Umfang der Aufgaben war zu hoch” und der unmittelbare “Nutzen war nicht erkennbar” (dies galt vor allem für Rechenaufgaben zur Wärmelehre). Auch die Bewertung der Übungen war aus Sicht der Studierenden zu streng.

Aus meiner Professorensicht bestätigen diese Kommentare jedoch das erfolgreich umgesetzte Ziel der Module, dass sich die Studierenden intensiv mit den Themenfeldern auseinandersetzen. Es entsteht bei Durchsicht der Evaluationsbögen der Eindruck, dass die Studierenden das Studieren verlernt haben. Mathematikprofessor Herold Dehling von der Ruhr-Universität Bochum veranschlagt zum Beispiel als Arbeitsaufwand für Vor- und Nachbereitung in seinen Veranstaltungen die doppelte Zeit bezogen auf die Präsenzzeit in den Vorlesungen – bei 3 Zeitstunden pro Woche Vorlesungen resultiert dies in weiteren 6 Zeitstunden Vor- und Nacharbeit. Auf dieser Grundlage wird auch der Workload in Bezug auf die ECTS-Punkte eines Moduls ermittelt. Ein hohes Arbeitspensum, insbesondere in Spezialisierungsfächern zum Ende eines Studiengangs, hilft den Studierenden, den Stoff zu verinnerlichen, um ihn später im Berufsleben abrufen und anwenden zu können. Zudem sollte man den Anspruch an sich als Studierender haben, sich gerne mit Schwerpunkthemen des gewählten Studiengangs intensiv auseinanderzusetzen.

Dennoch werde ich mir die Kommentare der Studierenden in den Evaluationsbögen zu Herzen nehmen, um in den kommenden Semestern die Inhalte und den Aufwand an die Ansprüche aller (meine, der Hochschule, der Studierenden, der Wirtschaft etc.) anzupassen.

Aktualisierung der UCB-Webseite zum Studiengang und Konkretisierung Grund- und Fachpraktikum

Kurz vor Ende des Jahres wurde die Webseite zum Studiengang “Erneuerbare Energien” neugestaltet. Sowohl für Studieninteressierte als auch für Studierende wurden die Informationen zum Studium ausgebaut und umfassend dargestellt. Ziel ist es, den Studieninteressierten und Studierenden einen Überblick über den Studiengang zum Inhalt und Verlauf zu geben. Auch werden wiederkehrende Fragen zu Praktika und der Abschlussphase beantwortet.

Insbesondere sind die Vorgaben für das Grund- und Fachpraktikum konkretisiert worden. Die Ordnung für die praktische Vorbildung verlangt neben einer Bescheinigung vom Unternehmen einen Bericht zum Praktikum. Hierzu sind im Ratgeber zum Grund- und Fachpraktikum alle relevanten Informationen zusammengestellt. Zur Anerkennung der Grund- und Fachpraktika sind daher für Praktika, die ab 2017 angetreten wurden, künftig entsprechende Berichte vorzulegen. Hilfreich ist sicher auch noch einmal der Blick in den Studienbegleiter, der zum Semesterbeginn veröffentlicht wurde.

Stilblüten aus Klausuren: Wärme

Die Nachholklausur im Modul Thermodynamik offenbarte trotz ordentlicher Leistungen der Studierenden mal wieder interessante Einblicke in das Verständnis von physikalischen Zusammenhängen.

Zur Thema der kinetischen Gastheorie sollten die Studierenden die Maxwell-Boltzmann-Geschwindigkeitsverteilung erläutern und angeben, wie sich die mittlere Geschwindigkeit der Gasteilchen verändert, wenn sich die Temperatur des Gases vervierfacht bzw. wenn die Masse der Teilchen in Gas 1 vier Mal so groß wie in Gas 2 ist. Der grundlegende Zusammenhang zwischen der mittleren bzw. häufigsten Geschwindigkeit v der Gasteilchen zur Temperatur T und zur Masse m war den Studierenden bekannt (v \propto \sqrt{\frac{T}{m}}), die Bedeutung der Gleichung aber nicht.

Eine basisdemokratische Abstimmung der Verhältnisse der mittleren Geschwindigkeiten der Gasteilchen der beiden Gase ergäbe folgendes Ergebnis:

Ein ähnlich interessantes Verständnis physikalischer Grundlagen zeigt sich bei der (vereinfachten) Fragestellung zur Temperaturveränderung, wenn eine Metallkugel aus einer Höhe von 1,5m auf eine harte Oberfläche trifft und 2/3 der kinetischen Energie in innere Energie umgewandelt wird (die spezifische Wärmekapazität sei 0,1 kJ/(kg K)). Vorgeschlagen wurden Temperaturerhöhungen von 100 K bzw. bis hin zu sogar 600 K – eine vermeintliche Lösung für sämtliche Wärmeprobleme.

Schließlich führte die Frage nach der Zeit, die ein 2-kW-Wasserkocher benötigt, um 2 kg Eis von -20 °C zum vollständigen Verdampfen zu bringen, die Studierenden an das Ende ihrer Vorstellungs- bzw. Rechenkraft. Während viele Studierende die Phasenübergänge des Schmelzens und Verdampfens völlig ignorierten, kamen andere auf eine Dauer von lediglich 9 Minuten bzw. sogar nur 12 Sekunden. Da scheinen zu wenige Studierende zu Hause noch selber Tiefkühlware im Topf zuzubereiten.

Insgesamt zeigen die Antworten, dass vielen Studierenden offensichtlich die Fähigkeit fehlt, die Ergebnisse kritisch zu bewerten bzw. zu hinterfragen. Auch wenn während einer Klausur die Zeit für ein Neurechnen der Aufgabe fehlt, so sollten die Studierenden dennoch in der Lage sein zu erkennen, dass das Ergebnis physikalisch unsinnig ist und man daher den Rechenweg noch einmal überprüfen sollte. Stattdessen wird jedoch auswendig gelerntes Wissen “heruntergerattert”, ohne dass sich ein tieferes Verständnis der Zusammenhänge zeigt. Daran müssen alle Beteiligten – Studierende wie Lehrende – arbeiten, um im Studium diese wesentliche Fähigkeit – die kritische Bewertung von Ergebnissen/Aussagen – zu vermitteln.

Lasst sie ziehen, liebe Eltern

Pünktlich Ende September beginnen für viele die letzten Vorbereitung für die Aufnahme eines Studiums an einer Universität oder Hochschule. Doch war für die Erstsemester dies in der Regel der erste Schritt in die Selbstständig und Unabhängigkeit, so scheinen mittlerweile viele Eltern ihre Kinder auch noch ins Studium begleiten zu wollen.

An die Eltern, die beim Tag der offenen Tür oder anderen Informationsveranstaltungen von Hochschulen mit Ihren (volljährigen) Kindern erscheinen und statt der Kinder die Fragen zum Studium stellen, muss man sich als Studiengangsbeauftragter mittlerweile gewöhnen. Scheinbar sind die Eltern dermaßen besorgt, ob der Nachwuchs auch die richtige Entscheidung im Leben trifft, dass die Kinder stumm dem Frage-und-Antwort-Spiel der Eltern mit den Professoren beiwohnen.

Die F.A.Z. schreibt dazu, dass sich viele Eltern nicht nur in die Entscheidung für ein Studium und in den Bewerbungsprozess einmischen, sondern sich sogar auch noch nach Ende des Studiums aktiv einmischen.

Die RWTH Aachen mit ihren rund 7.000 Erststemestern zum Wintersemester sieht sich ob der fürsorglichen Eltern sogar genötigt, “Informationen für Eltern und Angehörige” bereitzustellen. Darin heißt es zum Beispiel

… daher richten sich […] die Einführungswoche direkt an die Studienanfängerinnen und Studienanfänger. Wir können verstehen, wenn Sie ihr Kind hierbei begleiten möchten – nicht zuletzt aufgrund der begrenzten räumlichen Kapazitäten möchten wir Sie jedoch bitten, ihm diese Erfahrung alleine zu ermöglichen.

Die neuen Erfahrungen und das Schließen von neuen Freundschaften will von vielen Eltern unmittelbar miterlebt werden. Dabei ist insbesondere die Einführungswoche für die Studienanfänger ganz entscheidend, um sich in der neuen und fremden Umgebung zurecht zu finden.

Weiter heißt es

In vielen Fällen ist der Studiumsbeginn auch mit dem Auszug von zu Hause verbunden – und Eltern und Angehörige freuen sich über regelmäßige Anrufe ihrer Kinder. Haben Sie jedoch auch Verständnis, wenn sich diese nicht regelmäßig melden. Insbesondere die ersten Tage sind voller Programm und es kann sein, dass diese einfach mal in Ruhe ihre Erfahrungen verarbeiten möchten.

Offensichtlich machen sich viele Eltern bereits große Sorgen, wenn trotz moderner Kommunikationsmedien keine direkte Teilnahme an den Erfahrungen der Kinder möglich ist.

Und schließlich gibt es noch den Rat an die Eltern

Bitte sehen Sie ebenfalls von Schultüten oder ähnlichen Dingen für den ersten Tag im Studium ab. Insbesondere, da das Programm bereits am ersten Tag umfangreich ist, sind Schultüten hinderlich.

In der Grundschule mag die Schultüte eine nette Geste sein, um den I-Dötzchen den Start in die Schule zu versüßen, an einer Hochschule hat eine solche Geste jedoch nichts verloren, ohne die eigenen Kinder zu verunglimpfend ausgedrückt “Muttersöhnchen” zu machen.

Was kann man also Eltern raten, die mit ihrer übertrieben Fürsorge den Kindern den Start in einen neuen und aufregenden Lebensabschnitt eher schaden als nützen? Sicherlich sollten sich die Eltern zunächst immer die Frage stellen, wie sie sich in einer solcher Situation gefühlt hätten, die sich ihren Kindern aufzwingen. Auch werden die Kinder schon um Hilfe bitten, wenn die Probleme und Sorgen zu groß werden; ein offenes Ohr zu den Erzählungen des Erlebten ist immer hilfreich, um zwischen den Zeilen vielleicht mögliche, ernste Schwierigkeiten frühzeitig zu erkennen. In solchen Fällen ist aber auch Zurückhaltung das erste Gebot, um den Kindern die Möglichkeit zu geben, die Situation selbstständig zu lösen und wertvolle Erfahrungen zu sammeln. Und schließlich bleibt festzuhalten, dass sich Eltern an den neuen Lebensabschnitt gewöhnen müssen – war man bei Kindern im Kindergarten- und Grundschulalter noch Mitspieler, saß man auf der weiterführenden Schule bereits nur noch auf der Ersatzbank. Im Studium muss man sich als Eltern wohl oder übel damit abfinden, dass man nur noch auf der Tribüne Platz nehmen darf, um das “Spiel” der Kinder zu beobachten. Dennoch sollte man als Eltern dIlse Zeit genießen, denn mit dem Berufsleben der Kinder und der darauf in der Regel folgenden Zeit, sobald die Kinder selber Eltern werden, beginnt die nächste entscheidende Phase als alle.

[Update vom 26.09.2016]

SPIEGEL Online hat heute einen Artikel mit dem Titel “Helikopter-Eltern nerven Studienberater. Liebe Mamas und Papas, SO bitte nicht” veröffentlicht, in dem Erfahrungen von Studienberatern mit fürsorglichen Eltern von Studierenden dargestellt sind. Bei den Schilderungen ist nicht ganz klar, ob man lachen oder weinen soll.

Projektarbeiten im Wintersemester 2016/17

Für das Wintersemester 2016/17 werden im Labor für Erneuerbare Energien am Umwelt-Campus Birkenfeld folgende Projektarbeiten angeboten:

  • Weiterentwicklung des Energienutzungsplans für die Region des Nationalparks Hunsrück-Hochwald
  • Konzept für Solar-Home-Systeme in Zentralafrika
  • Studie zum weltweiten Ausbau erneuerbarer Energiesysteme zum Erreichen der globalen Klimaschutzziele
  • Konstruktion und 3D-Druck der Firmenzentrale der Simona AG, Kirn
  • Entwicklung eines Skripts zur automatischen Übertragung von DWD-Wetterdaten in eine Datenbank
  • Weiterentwicklung einer Web-Anwendung zur Optimierung von Photovoltaikanlagen (UCB PVapp)

Link zur Übersicht der Projektarbeiten

Rate my Prof – Energietechnik (SoSe 2016)

Die Kommentare der Studierenden aus der Veranstaltung Energietechnik (2. bzw. 4. Semester Bachelorstudierende, gemeinsam gehalten von zwei Professoren) sind, ähnlich wie in der Vorlesung zur Thermodynamik, sehr aufschlussreich, um die Erwartungen und Interessen der Studierenden zu verstehen.

Positiv gesehen wurde:

  • Der roter Faden ist sehr gut zu erkennen; die Vorlesungen sind immer sehr interessant und gut konzipiert,
  • der Einblick in die unterschiedlichen Kraftwerkstypen,
  • der behandlete Stoff ist auch für’s Alltägliche von Interesse,
  • die Möglichkeit, auch mal selbstständig zu rechnen.

Sogar ein kurzes Gedicht wurde verfasst

Für den Prof hab ich ein Gedicht,
Energietechnik ist also Pflicht.
Einen Prof hab ich nicht so gern,
drum bleib ich seiner Vorlesung fern.

Und auch die Kleidungswahl scheint die Studierenden zu beschäftigen:

Der Prof hat einen super Kleidungsstil (Einstecktuch), etwas antiquiert, sieht aber gut aus.

Kritisch bei den Studierenden ist folgendes angekommen:

  • Sehr viel Stoff, der in kurzer Zeit vermittelt wird,
  • Vorlesung montags um 9 Uhr,
  • Klausurrelevanz der Inhalte nicht klar definiert,
  • die knochentrockene Theorie.

Bei rund 1000 Folien, die am Ende der Vorlesung vorgestellt wurden, um den Studierenden sämtliche Aspekte der Energietechnik näherzubringen, scheinen die Studierenden bei der Klausurvorbereitung etwas überfordert zu sein. Jedoch birgt die Angabe von Lernzielkontrollfragen am Ende der Vorlesung die Gefahr, dass sich die Studierenden nur auf diese Fragen für die Klausur vorbereiten und weitergehende Fragen nicht vorbereiten würden. Offensichtlich bleibt jedoch der oft wiederholte Hinweis, nach der Vorlesung die wesentlichen Inhalte stichwortartig zusammenzufassen und den Stoff damit zu reduzieren, ungehört, sodass kurz vor dem Klausurtermin die klassische “Lernpanik” ausbricht, was teilweise im sogenannten “Bulemielernen” endet. Aber vielleicht lässt sich dieses Problem künftig auch noch lösen.