Archiv der Kategorie: Erneuerbare

CDU/CSU: Die Energie- und Klimapolitik im Regierungsprogramm 2017-2021

Die beiden Parteien CDU und CSU haben ein gemeinsames Regierungsprogramm 2017-2021 veröffentlicht. Unmittelbar am Inhaltsverzeichnis lässt sich der Stellenwert der Schwerpunkte Energie und Klima ablesen: Die Energiepolitik nimmt lediglich einen kleinen Teil im Kapitel „Gute Arbeit auch für morgen – Vollbeschäftigung für Deutschland“ ein, der Klimapolitik wird zwar ein eigenes, jedoch sehr kurzes Kapitel von drei Seiten gewidmet.

Energiewende

Zentrales Ziel in Bezug auf die Energiewende ist insbesondere eine bezahlbare Energieversorgung. Obwohl die EEG-Umlage in den letzten Jahren nur noch leicht gestiegen ist und sich auf einem hohen Niveau stabilisiert hat, soll die „marktwirtschaftliche Heranführung und Systemintegration der erneuerbaren Stromerzeugung konsequent fort[gesetzt werden]„, wobei konkrete Angaben fehlen. Hervorgehoben wird, dass „durch die marktwirtschaftliche Umgestaltung des Fördersystems […] die Ausbaukosten für Wind auf hoher See, Wind an Land und für Photovoltaik- Anlagen drastisch gesunken [sind]„. Der Rückgang der Stromgestehungskosten der Erneuerbaren Energien insbesondere in der Photovoltaikbranche ist sicherlich auch eine Leistung der deutschen Energiewende, die Zubauzahlen der Windenergie-, PV und Bioenergiebranche in Deutschland zeigen jedoch, dass die deutsche Energiewende an Fahrt verloren hat. Der Kostenrückgang in den letzten Jahren ist daher nicht auf den fortgeführten Ausbau in Deutschland oder Europa zurückzuführen, sondern auf den massiven Zubau von Windenergie- und Photovoltaikanlagen weltweit.

Der Ausstieg aus der Nutzung der Kernkraft bis 2023 hat für die CDU/CSU weiterhin bestand. Offen ist jedoch die Formulierung hinsichtlich der Endlagersuche, da in dem Regierungsprogramm lediglich auf das Endlagersuchgesetz und den finanziellen Rahmen aus den Entsorgungsrückstellungen verwiesen wird. Ein klarer (und realistischer) Lösungsweg wird nicht aufgezeigt.

Im Bereich der Forschung spielt die Energie- und Klimaforschung keine unmittelbare Rolle. Die Forschung im Bereich der Stromspeichertechnologien soll fortgeführt werden, damit „Deutschland […] wieder ein Standort für eine Batteriezellproduktion [wird]„. Die bisherige Entwicklung in diesem Bereich zeigt jedoch, dass Deutschland in diesem Sektor nicht die weltweite Spitzenposition einnimmt.

Dies spiegelt sich auch im Bereich der Mobilität. Zwar ist der Ausbau der Elektromobilität ein wesentliches Element des Regierungsprogramms, jedoch „[…] bleiben moderne Dieselfahrzeuge aufgrund ihres geringen CO2-Austoßes [sic!] eine wichtige Option„. Der Schwerpunkt beim Antrieb soll neben den elektrischen Speichern auf der Brennstoffzelle liegen, wobei der Ausbau der Infrastruktur klar die Batteriespeicher in den Vordergrund rückt.

Klima

Der Klimaschutz und das Bekenntnis zum Pariser Klimaschutzabkommen von 2015 nimmt ebenfalls eine Rolle im Regierungsprogramm der CDU/CSU ein. Die beiden Parteien geben an, dass „langfristig […] ein großer Teil der fossilen Energien wie Kohle, Öl und Gas durch umweltfreundliche Energien ersetzt werden [muss].“ Wie dies genau umgesetzt soll, ist im Regierungsprogramm jedoch nicht zu finden. Beide Parteien wollen am 2016 beschlossenen Klimaschutzplan festhalten, der jedoch bei genauerer Betrachtung nicht ausreichend ist, um die Klimaschutzziele wirksam zu erreichen, da der aktuelle Weg nicht zur notwendigen Dekarbonisierung bis 2050 führt.

Persönliches Fazit

Mit der CDU/CSU wird die Energiewende aus meiner Sicht weiterhin nur schleppend vorangehen. Die Parteien profitieren von der positiven Entwicklung der Vergangenheit und wollen scheinbar am derzeitigen Status Quo wenig ändern, da das ganze Thema derzeit nicht im Fokus der öffentlichen Diskussion steht. Und auch beim Bekenntnis zum Klimaschutzplan sollte berücksichtigt werden, dass die CO2-Emissionen in Deutschland in den letzten Jahren nicht weiter gesunken sind, sodass im Bereich Klima kein echter Fortschritt zu erwarten sein wird.

Vergleich der Wahlprogramme hinsichtlich Energie- und Klimapolitik

Vor der Bundestagswahl 2017 wollte ich mir einen persönlichen Überblick über die geplante Energie- und Klimapolitik der „großen“ Parteien verschaffen, die in den einzelnen Wahlprogrammen für die kommende Legislaturperiode dargelegt ist. Da die Parteien doch ein sehr unterschiedliches Verständnis bezüglich der Entwicklung in Bezug auf Energie und Klima haben, hat mich deren Schwerpunktsetzung interessiert.

Ich werde mich auf die Parteien konzentrieren, die nach derzeitigem Stand eine realistische Chance haben, in den Bundestag einzuziehen. Die Reihenfolge der Parteien richtet sich nach dem Ergebnis der letzten Bundestagswahl und spiegelt natürlich keine persönliche Wertung wider.

Die Übersicht werde ich in den nächsten Tagen nach und nach ergänzen.

CDU/CSU: Regierungsprogramm 2017-2021

SPD: Regierungsprogramm 2017-2012

DIE LINKE: Wahlprogramm 2017

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Wahlprogramm 2017

FDP: Wahlprogramm 2017

AfD: Wahlprogramm 2017

Photovoltaikanlagen sind umweltschädlicher als Kernkraftwerke

Das Magazin heise online berichtet von einer „Studie“ (die Anführungszeichen sind in diesem Zusammenhang bewusst gewählt) mit dem Titel „Are we headed for a solar waste crisis?“ der Initiative „Environmental Progress„, in der belegt werden soll, dass Photovoltaikanlagen rund 300-Mal mehr belasteten Abfall in Bezug auf die produzierte Energiemenge als Kernkraftwerke erzeugen. Einen direkten Link zu dieser „Studie“ gibt es leider nicht, sodass das (pseudo-)wissenschaftliche Vorgehen in dieser „Studie“ nicht nachgeprüft werden kann.

Kernkraftwerk Mülheim-Kärlich vor dem Rückbau

Laut den Autoren der Studie, Jemin Desai und Mark Nelson, erzeugt ein Kernkraftwerk pro produzierter TWh elektrischer Energie lediglich rund 780 Tonnen Beton und etwa 200 Tonnen Stahl als Abfallstoff nach dem Rückbau. Photovoltaikanlagen hingegen verursachen folgende (gefährliche) Reststoffe:

  • 3.700 Tonnen Zement,
  • 400 Tonnen Beton,
  • 2.650 Tonnen Glas,
  • 8.000 Tonnen Stahl und
  • 2.000 Tonnen sonstige Materialien (u. a. Blei Cadmium und Chrom).

Bei objektiver Betrachtung fällt auf, dass die Autoren der „Studie“ offensichtlich noch nicht einmal in der Lage sind, Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Bei PV-Anlagen wird scheinbar nicht nur die Fertigungsfabrik der Solarmodule, sondern auch das Gebäude mit der PV-Anlage auf dem Dach „auf den Müll geworfen“, um solche Reststoffverbrauchszahlen zu ermitteln. Bei Kernkraftwerken hingegen wird die Behandlung der radioaktiv verseuchten Reste (Brennstäbe, Reaktorbauteile) völlig außer acht gelassen, sondern es werden lediglich die Reststoffe des reinen Kernkraftgebäudes betrachtet. Dies ist ein sehr „interessanter“ Ansatz zur Berechnung des Umweltschadens durch PV-Anlagen und Kernkraftwerke.

Etwas besser lässt sich dieses Ergebnis der „Studie“ einordnen, wenn berücksichtigt wird, dass die Initiative und insbesondere der Gründer von Environmental Progress, Michael Shellenberger, sehr eng mit der US-amerikanischen Kernkraftlobby zusammenarbeiten. Aber selbst dann muss man schon sehr kreativ sein, um eine solche „Studie“ zu verfassen.

Die Folgen einer Kernschmelze für die Region Trier-Hunsrück-Hochwald

Basierend auf Daten des Projekts flexRISK des Instituts für Meteorologie der Universität für Bodenkultur in Wien haben Redakteure des Online-Magazins SPIEGEL ONLINE eine interaktive Karte zum Strahlungsrisiko nach einer Kernschmelze eines Kernkraftwerks in Europa erstellt. Der Artikel fokussiert sich primär auf die Folgen eines GAUs im Kernkraftwerk Tihange an der deutsch-belgischen Grenze. Dabei geht es darum, Wahrscheinlichkeiten zu ermitteln und darzustellen, dass eine Region nach einer Kernschmelze mit der daraus resultierenden Strahlenbelastung nicht mehr bewohnbar ist.

Für die Region Trier-Hunrsück-Hochwald lassen sich aus den Simulationen des Projekts flexRISK folgende Schlussfolgerungen in Bezug auf die Bewohnbarkeit sowie die Erntevernichtung ziehen:

Kernkraftwerk Dauerhaft unbewohnbar Erntevernichtung
Cattenom, FR 10-20% > 50 %
Chooz, FR 2-5 % 10-15 %
Nogent, FR 2-5 % 10-15 %
Philippsburg, DE 2-5 % 10-15 %
Tihange, BE 2-5 % 10-15 %
Doel, BE < 2 % 10-15 %
Belleville, FR < 2 % 5-15 %
Dampierre, FR < 2 % 5-15 %
Saint Laurent, FR < 2 % 5-15 %
Fessenheim, FR < 2 % 5-10 %
Borssele, NL < 2 % 2-5 %

Erwartungsgemäß wäre für die Region Trier-Hunsrück-Hochwald ein GAU im Kernkraftwerk Cattenom bedingt durch die kurze Distanz von rund 60 km Luftlinie am verheerendsten. Dennoch ist die Liste der Kernkraftwerke mit einem unmittelbaren Einfluss auf die Region lang.

Zwar ist die Wahrscheinlichkeit einer Nuklearkatastrophe wie in Fukushima oder Tschernobyl sehr gering, dennoch gab es seit Beginn der konventionellen Energieerzeugung durch Kernspaltung in den 1950er Jahre bereits zwei katastrophale Unfälle. Damit ist nicht auszuschließen, dass es trotz höchster Sicherheitsstandards in Zukunft erneut zu einem schweren oder katastrophalen Unfall in einem Kernkraftwerk kommt. Durch die geplante Abschaltung des Kernkraftwerks Philippsburg bis Ende 2019 wird ein Gefahrenherd für die Region mittelfristig beseitigt. Dennoch muss das Ziel sein, die Nutzung der Kernkraft ob der Gefahren und der weiterhin ungeklärten Fragen in Bezug auf die Endlagerung der Brennstäbe zu beenden und auf alternative Energieerzeugungssysteme zu setzen.

Energie oder Leistung

Das Online-Magazin SPIEGEL ONLINE berichtet über ein aktuelles Projekt der EWE AG zur Errichtung eines Stromspeichers durch Ausnutzung von Salzkavernen in Friesland. Die F.A.Z. berichtet in ihrem Wirtschaftsteil ausführlich über dieses Projekt.

In dem Artikel von SPIEGEL ONLINE wird von der „größten Batterie der Welt“ gesprochen, „[…] die im Jahre 2023 mit einer Leistung von 120 Megawatt in Betrieb genommen werden […]“ könnte. Dabei wird darauf verwiesen, dass die Leistung der Batterie ausreiche, um die Großstadt Berlin eine Stunde bzw. die Stadt Oldenburg einen Tag mit Strom zu versorgen. Hier zeigt sich mal wieder ein mangelndes physikalisches Grundwissen zum Unterschied zwischen Energie und Leistung. Entscheidend ist natürlich zunächst die energetische Speicherkapazität der Batterie – die Ausgangsleistung ist relevant für die Abschätzung, ob ein momentaner Strombedarf gedeckt werden kann.

Im Jahr 2014 betrug der Jahresstromverbrauch von Berlin laut des Hauptstadtportals berlin.de rund 13,4 TWh. Das Amt für Statistik Berlin Brandenburg gibt den Bruttojahresstromverbrauch von Berlin für 2014 mit 14,2 TWh an. Unter der stark vereinfachten Annahme, dass in Berlin damit durchschnittlich pro Stunde 1,5 GWh Strom verbraucht wird, müsste eine Batterie eine Stunde lang eine Ausgangsleistung von 1,5 GW, also die zwölffache Leistung der aufgeführten Batterie im Artikel, haben, um Berlin eine Stunde mit Strom zu versorgen. Auch eine Verwechslung von Leistung (120 MW) und Energie (120 MWh) würde nicht zu der Aussage führen, dass das Batteriesystem Berlin für eine Stunde mit Strom versorgen könnte.

Leider ist es häufig zu beobachten, dass energetische Kennzahlen in journalistischen Artikeln schlecht recherchiert und unkritisch dargelegt werden, sodass trotz der sehr interessanten technischen Konzepte, die in den Artikeln vorgestellt werden, ein fader Beigeschmack verbleibt, weil die physikalischen Grundlagen falsch dargestellt sind.

Studie zum Ertrag von Photovoltaikanlagen 2016 in Deutschland

Heute veröffentlichen wir die Studie zum Ertrag von Photovoltaikanlagen 2016 in Deutschland, die in den letzten Wochen in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Martin Rumpler vom Umwelt-Campus sowie Prof. Dr. Volker Herbort von der Hochschule Ulm entstanden ist.

In dieser Studie analysieren wir die Ertragsdaten der Photovoltaikanlagen in Deutschland für 2016. Hierzu verwenden wir anonymisierte Ertragsdaten aus öffentlich zugänglichen Datenbanken inklusive der Konfiguration der PV-Anlagen und aggregieren diese Daten auf monatliche Werte. Die Daten werden durch einen zweistufigen Algorithmus bereinigt, um nur PV-Anlagen ohne Fehlfunktion zu betrachten.

2016 war in weiten Teilen Deutschlands ein durchschnittliches Ertragsjahr für Photovoltaikanlagen, verglichen mit dem Referenzzeitraum 2012 bis 2015. Im Verlauf des Jahres lagen die Erträge im Mai und insbesondere im September über den langjährigen Ertragsmittelwerten; im Gegenzug waren der Februar, der März und der Oktober ertragsärmer als der Durchschnitt.

In Bayern und Baden-Württemberg konnten die höchsten spezifischen Erträge von über 1.040 kWh/kWp beobachtet werden. PV-Anlagen in Brandenburg und Sachsen-Anhalt wiesen Erträge von 1.020 bis 1.040 kWh/kWp auf, während die PV-Anlagen im Westen und Norden Deutschlands spezifische Erträge zwischen 960 kWh/kWp an der Nordsee und 1.010 kWh/kWp im Taunus und Westerwald erwirtschafteten. Die Auswertungen in dieser Studie basieren auf rein statistischen Methoden und Algorithmen. Daher sind die Ergebnisse objektiv nachprüfbar und weisen keinen subjektiven Einfluss auf. Die Signifikanzanalyse zeigt, dass bei einer hinreichend großen Zahl auswertbarer PV-Anlagen die statistischen Ergebnisse die wahren Erträge der Solaranlagen sehr gut widerspiegeln.

Die Ertragsstudien 2016 sowie vorheriger Jahre können unter
https://www.umwelt-campus.de/ucb/index.php?id=ertragsstudie
heruntergeladen werden.

Solaranlagen vom Fachmann?

Auf der mobilen Webseite von SPIEGEL ONLINE bin ich auf eine Werbeanzeige gestoßen, die  unterhalb der Artikel von SPIEGEL ONLINE zu finden ist. Unter anderem wirbt dort die Firma „Marketing vF Ltd.“ für Solaranlagen mit dem Werbeslogan (inkl. Interpunktionsfehler)

Solaranlage Vomfachmann
5 Gründe warum Sie noch dieses Jahr eine Solaranlage installieren sollten

Da die Werbung des Unternehmens relativ häufig angezeigt wird, war ich geneigt, mir das Angebot mal etwas genauer anzusehen.

Die Firma vomFachmann.de, nach eigenen Angaben eine unselbstständige Betriebsstätte mit Sitz in Berlin der Marketing vF Ltd. aus London, ist ein „B2B-Lead-Generierungsunternehmen„, um „[…] Käufern bei der Einholung von Angeboten in unterschiedlichen Produktkategorien zu helfen und Anbietern qualifizierte Kundenanfragen zu vermitteln.“ Dabei gibt das Unternehmen an, dass „alle Leistungen […] qualitativ hochwertig sind […] und bei der Suche nach der besten Übereinstimmung zwischen Nachfrage und Angebot […] ein Qualitätsleitfaden verwendet wird […].“ Unter anderem erhalten Interessierte auf der Webseite umfangreiche Informationen zu Solaranlagen und können über einen kurzen Fragebogen Angebote für Solaranlagen einholen. Dabei sollen mithilfe „[…] des Vermittlungsdienstes von vomFachmann.de schnell und kostenlos Angebote von bis zu vier Anbietern […]“ zugesandt werden.

PV-Anlage auf einem Hausdach.

Zunächst interessant sind die Informationen, welche für die Kunden bereitgestellt werden. In den FAQ wird zum Beispiel die Funktionsweise einer Solaranlage erläutert (inkl. Interpunktionsfehler):

Eine Solaranlage nimmt die Energie der Sonnenstrahlen auf. Die Energie wird gespeichert und umgewandelt, um sie bei Bedarf ans Netz abzugeben. Die Solaranlagen sind in der Lage die absorbierte Energie längere Zeit zu speichern, um auch an Tagen bei schwacher Sonneneinstrahlung für den gewünschten Effekt, beispielsweise zum Aufwärmen des Wassers, zu sorgen.

Offensichtlich werden die technischen Eigenschaften von Photovoltaikanlagen zur Stromerzeugung und solarthermischen Anlagen zur Warmwasserbereitung vermischt. Wie man sich die bedarfsgerechte Energieabgabe ans Netz vorzustellen hat, müsste auch noch geklärt werden. Die Vermischung der Technik setzt sich in weiteren Artikeln, die von einer Mitarbeiterin des Unternehmens bereits im November 2012 erstellt und seitdem wohl nicht mehr aktualisiert wurden, fort:

Handelsübliche Tanks solcher photovoltaischen Anlagen fassen um die 1000 Liter, was für den täglichen Verbrauch einer vierköpfigen Familie normalerweise mehr als genug ist – selbst, wenn Waschmaschine und Geschirrspüler mitversorgt werden.

Auch in Bezug auf mögliche Kosten gibt das Unternehmen Auskunft. Dort wird für PV-Anlagen auf das Modul „150 SuperS“ der Firma Aleo Solar mit einer MPP-Leistung von 135 Wp und das Modul „153 M24“ von Atersa mit 130 Wp MPP-Leistung verwiesen. Der Preise für beide Module werden mit jeweils 650 EUR angegeben, also rund 4,80 EUR pro Wp. Nicht, dass diese Preise aufgrund des starken Preisrückgangs von PV-Modulen in den letzten Jahren veraltet sind, auch entsprechen diese Module weder dem Stand der Technik noch sind sie am Markt verfügbar.

Nutzt man den kurzen Fragebogen, um Angebote für eine PV-Anlage zu erhalten, so scheint man man offensichtlich, unabhängig von der Art des Daches und des Standorts, immer nur einen einzigen Anbieter für das „Solaranlagen Projekt“ genannt zu bekommen – die DAA Deutsche Auftragsagentur GmbH aus Hamburg. Die zugehörige Webseite gehört entsprechend der Kontaktseite zum US-amerikanisches Unternehmen „DAA Inc“ aus Delaware. Laut AGB, die sich auf der Webseite finden lassen, bietet DAA „Fachinformationen für Verbraucher und deutschlandweite Firmenlisten zu unterschiedlichen Themen„. Um einen Anbieter von PV-Anlagen scheint es sich also nicht direkt zu handeln.

Da die Werbung, die von der Firma Outbrain UK Limited auf SPIEGEL ONLINE verwaltet wird, für die Solaranlagen von vomFachmann.de mit einer großen Wiederholungsrate dargestellt wird, stellt sich schon die Frage nach dem Nutzen der Werbung der Firma – eine Vermittlung von Angeboten für Photovoltaikanlagen scheint nicht unmittelbar das primäre Ziel zu sein. Und die auf der Webseite zwar veraltete, aber dennoch publizierte Fachkompetenz zu Solaranlagen vermittelt ebenfalls nur einen sehr eingeschränkt kompetenten Eindruck, um als Interessierter dort Angebote für eine Investition in eine PV-Anlage einzuholen.

Energieeffizienzexperte für Förderprogramme des Bundes

Seit Anfang dieses Jahres bin ich nun auch auf der Liste der Energieeffizienzexperten für Förderprogramme des Bundes der dena gelistet, um neben der Durchführung von Energieaudits nach DIN EN 16247-1 auch die von der BAFA geförderte Energieberatung im Mittelstand für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) anzubieten.

Die Energieberatung dient dazu, Unternehmen bei der mittel- und langfristigen Optimierung der Energieeffizienz in den Bereichen Gebäude, Anlagen sowie Nutzerverhalten zu unterstützen. Neben der Identifikation von Energieeinsparpotenzialen wird auch die Umsetzung der Maßnahmen durch mich begleitet.

Weiterführende Informationen zu den unterschiedlichen Programmen sind hier zu finden:

Energieeffizienzexperte

Typisch für die Photovoltaikbranche?

Der NDR und weitere Medien berichten über eine Entscheidung des OLG Schleswig-Holstein, dass ein Landwirt, der Betreiber einer PV-Dachanlage ist, seine bezogene Einspeisevergütung vom Datum des Netzanschlusses im Mai 2012 bis zur offiziellen Anmeldung der Anlage bei der Bundesnetzagentur im November 2014 an den Netzbetreiber Schleswig-Holstein Netz AG in Höhe von rund 200.000 EUR zurückzahlen muss. Das OLG Schleswig-Holstein stellt hierzu fest, dass die „[…] Förderungsvoraussetzungen nicht vorlagen und es insoweit zu einer Überzahlung der Einspeisevergütung gekommen ist“. Der Netzbetreiber hat den Landwirt „[…] ausreichend auf die Notwendigkeit der Anmeldung der Photovoltaikanlage bei der Bundesnetzagentur hingewiesen.“ Details zur Entscheidung sind der Pressemeldung des OLG Schleswig-Holstein zu entnehmen.

PV Dachanlage

PV-Dachanlage auf einem landwirtschaftlich genutzten Gebäude.

Unter der Annahme, dass der Landwirt für den Zeitraum von Mai 2012 bis November 2014 eine Vergütung von 200.000 EUR erwirtschaftet hat, entspräche dies einer Vergütung von rund 70.000 EUR in einem Jahr. Bei einer geschätzten Einspeisevergütung zum Inbetriebnahmezeitpunkt im Mai 2012 von gut 16 ct/kWh ergäbe sich ein Jahresstromertrag von ca. 430.000 kWh. Dies entspräche bei einem spezifischen Jahresertrag von 1.000 kWh/kWp einer installierten Nennleistung von rund 430 kWp. Laut der Studie „Aktuelle Fakten zur Photovoltaik in Deutschland“ des Fraunhofer ISE betrugt der Systempreis für PV-Anlagen im 2. Quartal 2012 etwa 1.700 EUR pro kWp. Damit hätte der Landwirt grob geschätzt einen Betrag zwischen 700.000 und 750.000 EUR in seine PV-Dachanlage investiert.

Auch wenn die Berechnung der Investitionskosten auf den Pressemeldungen beruhen und sehr grob sind, so stellt sich vielmehr die Frage bei einer Investition in eine PV-Anlage im mittleren bis hohen sechsstelligen Bereich, wie es sein kann, dass die absoluten Grundlagen bei der Inbetriebnahme der PV-Anlage missachtet wurden. Neben der gesetzlichen Verpflichtung sollte es für den Errichter der PV-Anlage eine Selbstverständlichkeit sein, dass der Betreiber seine PV-Anlage ordnungsgemäß bei der Bundesnetzagentur anmeldet. Dies scheint ein weiterer Beleg dafür zu sein, dass das Qualitätsbewusstsein in der Photovoltaikbranche nicht das allergrößte ist, wie verschiedene PV-Experten in der Vergangenheit immer wieder angemerkt haben.

Energiesparen heißt kaltes Wasser

Soeben bei einem Gespräch zwischen Mitdreißigern:

Ein Haus zu bauen lohnt sich heute auch nicht mehr. Da muss man ja immer Energie sparen. Das heißt, man hat kaum noch warmes Wasser, weil man eine Solarheizung haben muss. Und wenn man eine warme Badewanne haben will, muss man erst einmal Holz hacken.

Wenn dies das Wissen des akademisch gebildeten Bürgertums ist, darf man sich im Grunde nicht wundern, weshalb moderne und erneuerbare Technik kaum mehr Bedeutung hat. Offensichtlich muss noch sehr viel und auch kontinuierliche Aufklärungsarbeit geleistet werden.