Hinweise zu Praktika und Praxisphase im Studiengang Erneuerbare Energien

Auf der Webseite zum Bachelor-Studiengang “Erneuerbare Energien” sind nun zum einen die wesentlichen Informationen zum Ablauf des Studiums aufgeführt und des Weiteren zwei Ratgeber für die Durchführung des Grund- und Fachpraktikums und der praktischen Studienphase verfügbar.

Die Ratgeber sollen den Studierenden dazu dienen, die wesentlichen Informationen und Modalitäten sowohl für die Praktika als auch die praktische Studienphase in kompakter und übersichtlicher Form dargestellt zu bekommen. Ergänzt werden die Ratgeber durch persönliche Checklisten, um alle wesentlichen Punkte beim Absolvieren der Praktika zu berücksichtigen. Die Ratgeber ersetzen natürlich nicht die Ordnung für die praktische Vorbildung bzw. die Ordnung für die praktische Studienphase als offizielle Regularien seitens der Hochschule. Mit beiden Dokumenten sollte man sich als Studierender vor bzw. während des Studiums auseinandergesetzt haben.

Informationen für Studierende zum Bachelor-Studiengang “Erneuerbare Energien” sind unter folgendem Link zu finden:
https://www.umwelt-campus.de/ucb/index.php?id=erneuerbare_energien_bachelor

Für Studieneinsteiger und Interessierte am Bachelor-Studiengang “Erneuerbare Energien” am Umwelt-Campus bietet sich folgende Einstiegsseite an:
https://www.umwelt-campus.de/ucb/index.php?id=erneuerbare_energien

Studie zum Ertrag von Photovoltaikanlagen 2016 in Deutschland

Heute veröffentlichen wir die Studie zum Ertrag von Photovoltaikanlagen 2016 in Deutschland, die in den letzten Wochen in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Martin Rumpler vom Umwelt-Campus sowie Prof. Dr. Volker Herbort von der Hochschule Ulm entstanden ist.

In dieser Studie analysieren wir die Ertragsdaten der Photovoltaikanlagen in Deutschland für 2016. Hierzu verwenden wir anonymisierte Ertragsdaten aus öffentlich zugänglichen Datenbanken inklusive der Konfiguration der PV-Anlagen und aggregieren diese Daten auf monatliche Werte. Die Daten werden durch einen zweistufigen Algorithmus bereinigt, um nur PV-Anlagen ohne Fehlfunktion zu betrachten.

2016 war in weiten Teilen Deutschlands ein durchschnittliches Ertragsjahr für Photovoltaikanlagen, verglichen mit dem Referenzzeitraum 2012 bis 2015. Im Verlauf des Jahres lagen die Erträge im Mai und insbesondere im September über den langjährigen Ertragsmittelwerten; im Gegenzug waren der Februar, der März und der Oktober ertragsärmer als der Durchschnitt.

In Bayern und Baden-Württemberg konnten die höchsten spezifischen Erträge von über 1.040 kWh/kWp beobachtet werden. PV-Anlagen in Brandenburg und Sachsen-Anhalt wiesen Erträge von 1.020 bis 1.040 kWh/kWp auf, während die PV-Anlagen im Westen und Norden Deutschlands spezifische Erträge zwischen 960 kWh/kWp an der Nordsee und 1.010 kWh/kWp im Taunus und Westerwald erwirtschafteten. Die Auswertungen in dieser Studie basieren auf rein statistischen Methoden und Algorithmen. Daher sind die Ergebnisse objektiv nachprüfbar und weisen keinen subjektiven Einfluss auf. Die Signifikanzanalyse zeigt, dass bei einer hinreichend großen Zahl auswertbarer PV-Anlagen die statistischen Ergebnisse die wahren Erträge der Solaranlagen sehr gut widerspiegeln.

Die Ertragsstudien 2016 sowie vorheriger Jahre können unter
https://www.umwelt-campus.de/ucb/index.php?id=ertragsstudie
heruntergeladen werden.

Projekt- und Abschlussarbeiten im Sommersemester 2017

Umwelt-Campus Birkenfeld

Für das kommende Sommersemester 2017 gibt es wieder unterschiedliche Projekt- und Abschlussarbeiten im Labor für Erneuerbare Energien:

  • Ertragsdatenanalyse von Photovoltaikanlagen (Bachelor/Master)
  • Weiterentwicklung des Energienutzungsplans für die Nationalparkregion (Bachelor/Master)
  • Untersuchung der Energieeffizienz beim 3D-Druck (Bachelor/Master)
  • Entwicklung eines Skripts zur automatischen Übertragung von DWD-Wetterdaten in eine Datenbank (Bachelor)

Die Liste wird laufend ergänzt und erweitert.

Eine Übersicht der aktuellen Ausschreibungen ist unter
https://www.umwelt-campus.de/ucb/index.php?id=projektarbeiten_te_heesen
zu finden.

Rate my Prof – im Wintersemester 2016/17

Auch in diesem Semester waren die Studierenden wieder aufgerufen, die Lehrveranstaltungen bei mir zu evaluieren. Herausgreifen möchte ich die beiden Veranstaltungen “Bioenergie und Wärmenutzung” aus dem 5. Semester des Bachelorstudiengangs “Erneuerbare Energien” sowie “Energienutzung und Energietechnik der erneuerbaren Energien” aus dem 3. Semester des Masterstudiengangs “Umweltorientierte Energietechnik“. In beiden Modulen mussten die Studierenden während des Semesters praxisorientierte Übungsaufgaben bearbeiten, die zu einem gewissen Anteil in die Gesamtnote einflossen. Zudem gab es mündliche Prüfungen zum Abschluss des jeweiligen Kurses. Mein Ziel in den Modulen war es, den Wissenstransfer für die Studierenden durch die wöchentlichen Pflichtübungen zu vergrößern, sodass die Studierenden angehalten waren, im laufenden Semester bereits aktiv mitzuarbeiten, um nicht erst am Semesterende für die Prüfungsvorbereitung in die Vorlesungsunterlagen zu schauen.

In den Evaluationsbögen zeigt sich deutlich, dass die Bewertung der beiden Veranstaltungen wesentlich schlechter als vergleichbare Kurse ohne Pflichtübungen sind. Auf die Frage nach dem durchschnittlichen Aufwand gaben mehr als 3/4 aller Studierenden an, mehr als sechs Stunden pro Woche in die Vor- und Nachbereitung investieren zu müssen. Dies hat zur Folge, dass beide Studierendengruppen auf die Frage nach der regelmäßigen Vor- und Nachbereitung des Kurses mit über 80 Prozent “trifft völlig zu” antworteten. Die Fragen zu den erworbenen Fähigkeiten und Fertigkeiten werden zum überwiegenden Teil sehr positiv beantwortet. Die Zunahme des Wissenstands durch den Besuch der Veranstaltungen wird in hohem bzw. sehr hohem Maße bewertet. Ein zentrales Ziel bei der Wissensvermittlung ist mir also gelungen – die intensive Beschäftigung der Studierenden mit dem Stoff und die selbstständige Arbeit mit dem Erlernten.

TafelJedoch geht der hohe Aufwand, der den Studierenden in beiden Kursen abverlangt wurde, zu Lasten der Gesamtbewertung. In Schulnoten bekommen die beiden Veranstaltungen lediglich eine 1,9 für den Masterkurs und eine 2,5 für den Bachelorkurs. Dies spiegelt sich auch in den Freitextkommentaren der Studierenden, die den “sehr hohen Arbeitsaufwand” kritisieren (insbesondere in Bezug auf die 5 ECTS-Punkte). Der “Umfang der Aufgaben war zu hoch” und der unmittelbare “Nutzen war nicht erkennbar” (dies galt vor allem für Rechenaufgaben zur Wärmelehre). Auch die Bewertung der Übungen war aus Sicht der Studierenden zu streng.

Aus meiner Professorensicht bestätigen diese Kommentare jedoch das erfolgreich umgesetzte Ziel der Module, dass sich die Studierenden intensiv mit den Themenfeldern auseinandersetzen. Es entsteht bei Durchsicht der Evaluationsbögen der Eindruck, dass die Studierenden das Studieren verlernt haben. Mathematikprofessor Herold Dehling von der Ruhr-Universität Bochum veranschlagt zum Beispiel als Arbeitsaufwand für Vor- und Nachbereitung in seinen Veranstaltungen die doppelte Zeit bezogen auf die Präsenzzeit in den Vorlesungen – bei 3 Zeitstunden pro Woche Vorlesungen resultiert dies in weiteren 6 Zeitstunden Vor- und Nacharbeit. Auf dieser Grundlage wird auch der Workload in Bezug auf die ECTS-Punkte eines Moduls ermittelt. Ein hohes Arbeitspensum, insbesondere in Spezialisierungsfächern zum Ende eines Studiengangs, hilft den Studierenden, den Stoff zu verinnerlichen, um ihn später im Berufsleben abrufen und anwenden zu können. Zudem sollte man den Anspruch an sich als Studierender haben, sich gerne mit Schwerpunkthemen des gewählten Studiengangs intensiv auseinanderzusetzen.

Dennoch werde ich mir die Kommentare der Studierenden in den Evaluationsbögen zu Herzen nehmen, um in den kommenden Semestern die Inhalte und den Aufwand an die Ansprüche aller (meine, der Hochschule, der Studierenden, der Wirtschaft etc.) anzupassen.

Solaranlagen vom Fachmann?

Auf der mobilen Webseite von SPIEGEL ONLINE bin ich auf eine Werbeanzeige gestoßen, die  unterhalb der Artikel von SPIEGEL ONLINE zu finden ist. Unter anderem wirbt dort die Firma “Marketing vF Ltd.” für Solaranlagen mit dem Werbeslogan (inkl. Interpunktionsfehler)

Solaranlage Vomfachmann
5 Gründe warum Sie noch dieses Jahr eine Solaranlage installieren sollten

Da die Werbung des Unternehmens relativ häufig angezeigt wird, war ich geneigt, mir das Angebot mal etwas genauer anzusehen.

Die Firma vomFachmann.de, nach eigenen Angaben eine unselbstständige Betriebsstätte mit Sitz in Berlin der Marketing vF Ltd. aus London, ist ein “B2B-Lead-Generierungsunternehmen“, um “[…] Käufern bei der Einholung von Angeboten in unterschiedlichen Produktkategorien zu helfen und Anbietern qualifizierte Kundenanfragen zu vermitteln.” Dabei gibt das Unternehmen an, dass “alle Leistungen […] qualitativ hochwertig sind […] und bei der Suche nach der besten Übereinstimmung zwischen Nachfrage und Angebot […] ein Qualitätsleitfaden verwendet wird […].” Unter anderem erhalten Interessierte auf der Webseite umfangreiche Informationen zu Solaranlagen und können über einen kurzen Fragebogen Angebote für Solaranlagen einholen. Dabei sollen mithilfe “[…] des Vermittlungsdienstes von vomFachmann.de schnell und kostenlos Angebote von bis zu vier Anbietern […]” zugesandt werden.

PV-Anlage auf einem Hausdach.

Zunächst interessant sind die Informationen, welche für die Kunden bereitgestellt werden. In den FAQ wird zum Beispiel die Funktionsweise einer Solaranlage erläutert (inkl. Interpunktionsfehler):

Eine Solaranlage nimmt die Energie der Sonnenstrahlen auf. Die Energie wird gespeichert und umgewandelt, um sie bei Bedarf ans Netz abzugeben. Die Solaranlagen sind in der Lage die absorbierte Energie längere Zeit zu speichern, um auch an Tagen bei schwacher Sonneneinstrahlung für den gewünschten Effekt, beispielsweise zum Aufwärmen des Wassers, zu sorgen.

Offensichtlich werden die technischen Eigenschaften von Photovoltaikanlagen zur Stromerzeugung und solarthermischen Anlagen zur Warmwasserbereitung vermischt. Wie man sich die bedarfsgerechte Energieabgabe ans Netz vorzustellen hat, müsste auch noch geklärt werden. Die Vermischung der Technik setzt sich in weiteren Artikeln, die von einer Mitarbeiterin des Unternehmens bereits im November 2012 erstellt und seitdem wohl nicht mehr aktualisiert wurden, fort:

Handelsübliche Tanks solcher photovoltaischen Anlagen fassen um die 1000 Liter, was für den täglichen Verbrauch einer vierköpfigen Familie normalerweise mehr als genug ist – selbst, wenn Waschmaschine und Geschirrspüler mitversorgt werden.

Auch in Bezug auf mögliche Kosten gibt das Unternehmen Auskunft. Dort wird für PV-Anlagen auf das Modul “150 SuperS” der Firma Aleo Solar mit einer MPP-Leistung von 135 Wp und das Modul “153 M24” von Atersa mit 130 Wp MPP-Leistung verwiesen. Der Preise für beide Module werden mit jeweils 650 EUR angegeben, also rund 4,80 EUR pro Wp. Nicht, dass diese Preise aufgrund des starken Preisrückgangs von PV-Modulen in den letzten Jahren veraltet sind, auch entsprechen diese Module weder dem Stand der Technik noch sind sie am Markt verfügbar.

Nutzt man den kurzen Fragebogen, um Angebote für eine PV-Anlage zu erhalten, so scheint man man offensichtlich, unabhängig von der Art des Daches und des Standorts, immer nur einen einzigen Anbieter für das “Solaranlagen Projekt” genannt zu bekommen – die DAA Deutsche Auftragsagentur GmbH aus Hamburg. Die zugehörige Webseite gehört entsprechend der Kontaktseite zum US-amerikanisches Unternehmen “DAA Inc” aus Delaware. Laut AGB, die sich auf der Webseite finden lassen, bietet DAA “Fachinformationen für Verbraucher und deutschlandweite Firmenlisten zu unterschiedlichen Themen“. Um einen Anbieter von PV-Anlagen scheint es sich also nicht direkt zu handeln.

Da die Werbung, die von der Firma Outbrain UK Limited auf SPIEGEL ONLINE verwaltet wird, für die Solaranlagen von vomFachmann.de mit einer großen Wiederholungsrate dargestellt wird, stellt sich schon die Frage nach dem Nutzen der Werbung der Firma – eine Vermittlung von Angeboten für Photovoltaikanlagen scheint nicht unmittelbar das primäre Ziel zu sein. Und die auf der Webseite zwar veraltete, aber dennoch publizierte Fachkompetenz zu Solaranlagen vermittelt ebenfalls nur einen sehr eingeschränkt kompetenten Eindruck, um als Interessierter dort Angebote für eine Investition in eine PV-Anlage einzuholen.

Energieeffizienzexperte für Förderprogramme des Bundes

Seit Anfang dieses Jahres bin ich nun auch auf der Liste der Energieeffizienzexperten für Förderprogramme des Bundes der dena gelistet, um neben der Durchführung von Energieaudits nach DIN EN 16247-1 auch die von der BAFA geförderte Energieberatung im Mittelstand für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) anzubieten.

Die Energieberatung dient dazu, Unternehmen bei der mittel- und langfristigen Optimierung der Energieeffizienz in den Bereichen Gebäude, Anlagen sowie Nutzerverhalten zu unterstützen. Neben der Identifikation von Energieeinsparpotenzialen wird auch die Umsetzung der Maßnahmen durch mich begleitet.

Weiterführende Informationen zu den unterschiedlichen Programmen sind hier zu finden:

Energieeffizienzexperte

Aktualisierung der UCB-Webseite zum Studiengang und Konkretisierung Grund- und Fachpraktikum

Kurz vor Ende des Jahres wurde die Webseite zum Studiengang “Erneuerbare Energien” neugestaltet. Sowohl für Studieninteressierte als auch für Studierende wurden die Informationen zum Studium ausgebaut und umfassend dargestellt. Ziel ist es, den Studieninteressierten und Studierenden einen Überblick über den Studiengang zum Inhalt und Verlauf zu geben. Auch werden wiederkehrende Fragen zu Praktika und der Abschlussphase beantwortet.

Insbesondere sind die Vorgaben für das Grund- und Fachpraktikum konkretisiert worden. Die Ordnung für die praktische Vorbildung verlangt neben einer Bescheinigung vom Unternehmen einen Bericht zum Praktikum. Hierzu sind im Ratgeber zum Grund- und Fachpraktikum alle relevanten Informationen zusammengestellt. Zur Anerkennung der Grund- und Fachpraktika sind daher für Praktika, die ab 2017 angetreten wurden, künftig entsprechende Berichte vorzulegen. Hilfreich ist sicher auch noch einmal der Blick in den Studienbegleiter, der zum Semesterbeginn veröffentlicht wurde.

Stilblüten aus Klausuren: Wärme

Die Nachholklausur im Modul Thermodynamik offenbarte trotz ordentlicher Leistungen der Studierenden mal wieder interessante Einblicke in das Verständnis von physikalischen Zusammenhängen.

Zur Thema der kinetischen Gastheorie sollten die Studierenden die Maxwell-Boltzmann-Geschwindigkeitsverteilung erläutern und angeben, wie sich die mittlere Geschwindigkeit der Gasteilchen verändert, wenn sich die Temperatur des Gases vervierfacht bzw. wenn die Masse der Teilchen in Gas 1 vier Mal so groß wie in Gas 2 ist. Der grundlegende Zusammenhang zwischen der mittleren bzw. häufigsten Geschwindigkeit v der Gasteilchen zur Temperatur T und zur Masse m war den Studierenden bekannt (v \propto \sqrt{\frac{T}{m}}), die Bedeutung der Gleichung aber nicht.

Eine basisdemokratische Abstimmung der Verhältnisse der mittleren Geschwindigkeiten der Gasteilchen der beiden Gase ergäbe folgendes Ergebnis:

Ein ähnlich interessantes Verständnis physikalischer Grundlagen zeigt sich bei der (vereinfachten) Fragestellung zur Temperaturveränderung, wenn eine Metallkugel aus einer Höhe von 1,5m auf eine harte Oberfläche trifft und 2/3 der kinetischen Energie in innere Energie umgewandelt wird (die spezifische Wärmekapazität sei 0,1 kJ/(kg K)). Vorgeschlagen wurden Temperaturerhöhungen von 100 K bzw. bis hin zu sogar 600 K – eine vermeintliche Lösung für sämtliche Wärmeprobleme.

Schließlich führte die Frage nach der Zeit, die ein 2-kW-Wasserkocher benötigt, um 2 kg Eis von -20 °C zum vollständigen Verdampfen zu bringen, die Studierenden an das Ende ihrer Vorstellungs- bzw. Rechenkraft. Während viele Studierende die Phasenübergänge des Schmelzens und Verdampfens völlig ignorierten, kamen andere auf eine Dauer von lediglich 9 Minuten bzw. sogar nur 12 Sekunden. Da scheinen zu wenige Studierende zu Hause noch selber Tiefkühlware im Topf zuzubereiten.

Insgesamt zeigen die Antworten, dass vielen Studierenden offensichtlich die Fähigkeit fehlt, die Ergebnisse kritisch zu bewerten bzw. zu hinterfragen. Auch wenn während einer Klausur die Zeit für ein Neurechnen der Aufgabe fehlt, so sollten die Studierenden dennoch in der Lage sein zu erkennen, dass das Ergebnis physikalisch unsinnig ist und man daher den Rechenweg noch einmal überprüfen sollte. Stattdessen wird jedoch auswendig gelerntes Wissen “heruntergerattert”, ohne dass sich ein tieferes Verständnis der Zusammenhänge zeigt. Daran müssen alle Beteiligten – Studierende wie Lehrende – arbeiten, um im Studium diese wesentliche Fähigkeit – die kritische Bewertung von Ergebnissen/Aussagen – zu vermitteln.

Typisch für die Photovoltaikbranche?

Der NDR und weitere Medien berichten über eine Entscheidung des OLG Schleswig-Holstein, dass ein Landwirt, der Betreiber einer PV-Dachanlage ist, seine bezogene Einspeisevergütung vom Datum des Netzanschlusses im Mai 2012 bis zur offiziellen Anmeldung der Anlage bei der Bundesnetzagentur im November 2014 an den Netzbetreiber Schleswig-Holstein Netz AG in Höhe von rund 200.000 EUR zurückzahlen muss. Das OLG Schleswig-Holstein stellt hierzu fest, dass die “[…] Förderungsvoraussetzungen nicht vorlagen und es insoweit zu einer Überzahlung der Einspeisevergütung gekommen ist”. Der Netzbetreiber hat den Landwirt “[…] ausreichend auf die Notwendigkeit der Anmeldung der Photovoltaikanlage bei der Bundesnetzagentur hingewiesen.” Details zur Entscheidung sind der Pressemeldung des OLG Schleswig-Holstein zu entnehmen.

PV Dachanlage

PV-Dachanlage auf einem landwirtschaftlich genutzten Gebäude.

Unter der Annahme, dass der Landwirt für den Zeitraum von Mai 2012 bis November 2014 eine Vergütung von 200.000 EUR erwirtschaftet hat, entspräche dies einer Vergütung von rund 70.000 EUR in einem Jahr. Bei einer geschätzten Einspeisevergütung zum Inbetriebnahmezeitpunkt im Mai 2012 von gut 16 ct/kWh ergäbe sich ein Jahresstromertrag von ca. 430.000 kWh. Dies entspräche bei einem spezifischen Jahresertrag von 1.000 kWh/kWp einer installierten Nennleistung von rund 430 kWp. Laut der Studie “Aktuelle Fakten zur Photovoltaik in Deutschland” des Fraunhofer ISE betrugt der Systempreis für PV-Anlagen im 2. Quartal 2012 etwa 1.700 EUR pro kWp. Damit hätte der Landwirt grob geschätzt einen Betrag zwischen 700.000 und 750.000 EUR in seine PV-Dachanlage investiert.

Auch wenn die Berechnung der Investitionskosten auf den Pressemeldungen beruhen und sehr grob sind, so stellt sich vielmehr die Frage bei einer Investition in eine PV-Anlage im mittleren bis hohen sechsstelligen Bereich, wie es sein kann, dass die absoluten Grundlagen bei der Inbetriebnahme der PV-Anlage missachtet wurden. Neben der gesetzlichen Verpflichtung sollte es für den Errichter der PV-Anlage eine Selbstverständlichkeit sein, dass der Betreiber seine PV-Anlage ordnungsgemäß bei der Bundesnetzagentur anmeldet. Dies scheint ein weiterer Beleg dafür zu sein, dass das Qualitätsbewusstsein in der Photovoltaikbranche nicht das allergrößte ist, wie verschiedene PV-Experten in der Vergangenheit immer wieder angemerkt haben.

Lasst sie ziehen, liebe Eltern

Pünktlich Ende September beginnen für viele die letzten Vorbereitung für die Aufnahme eines Studiums an einer Universität oder Hochschule. Doch war für die Erstsemester dies in der Regel der erste Schritt in die Selbstständig und Unabhängigkeit, so scheinen mittlerweile viele Eltern ihre Kinder auch noch ins Studium begleiten zu wollen.

An die Eltern, die beim Tag der offenen Tür oder anderen Informationsveranstaltungen von Hochschulen mit Ihren (volljährigen) Kindern erscheinen und statt der Kinder die Fragen zum Studium stellen, muss man sich als Studiengangsbeauftragter mittlerweile gewöhnen. Scheinbar sind die Eltern dermaßen besorgt, ob der Nachwuchs auch die richtige Entscheidung im Leben trifft, dass die Kinder stumm dem Frage-und-Antwort-Spiel der Eltern mit den Professoren beiwohnen.

Die F.A.Z. schreibt dazu, dass sich viele Eltern nicht nur in die Entscheidung für ein Studium und in den Bewerbungsprozess einmischen, sondern sich sogar auch noch nach Ende des Studiums aktiv einmischen.

Die RWTH Aachen mit ihren rund 7.000 Erststemestern zum Wintersemester sieht sich ob der fürsorglichen Eltern sogar genötigt, “Informationen für Eltern und Angehörige” bereitzustellen. Darin heißt es zum Beispiel

… daher richten sich […] die Einführungswoche direkt an die Studienanfängerinnen und Studienanfänger. Wir können verstehen, wenn Sie ihr Kind hierbei begleiten möchten – nicht zuletzt aufgrund der begrenzten räumlichen Kapazitäten möchten wir Sie jedoch bitten, ihm diese Erfahrung alleine zu ermöglichen.

Die neuen Erfahrungen und das Schließen von neuen Freundschaften will von vielen Eltern unmittelbar miterlebt werden. Dabei ist insbesondere die Einführungswoche für die Studienanfänger ganz entscheidend, um sich in der neuen und fremden Umgebung zurecht zu finden.

Weiter heißt es

In vielen Fällen ist der Studiumsbeginn auch mit dem Auszug von zu Hause verbunden – und Eltern und Angehörige freuen sich über regelmäßige Anrufe ihrer Kinder. Haben Sie jedoch auch Verständnis, wenn sich diese nicht regelmäßig melden. Insbesondere die ersten Tage sind voller Programm und es kann sein, dass diese einfach mal in Ruhe ihre Erfahrungen verarbeiten möchten.

Offensichtlich machen sich viele Eltern bereits große Sorgen, wenn trotz moderner Kommunikationsmedien keine direkte Teilnahme an den Erfahrungen der Kinder möglich ist.

Und schließlich gibt es noch den Rat an die Eltern

Bitte sehen Sie ebenfalls von Schultüten oder ähnlichen Dingen für den ersten Tag im Studium ab. Insbesondere, da das Programm bereits am ersten Tag umfangreich ist, sind Schultüten hinderlich.

In der Grundschule mag die Schultüte eine nette Geste sein, um den I-Dötzchen den Start in die Schule zu versüßen, an einer Hochschule hat eine solche Geste jedoch nichts verloren, ohne die eigenen Kinder zu verunglimpfend ausgedrückt “Muttersöhnchen” zu machen.

Was kann man also Eltern raten, die mit ihrer übertrieben Fürsorge den Kindern den Start in einen neuen und aufregenden Lebensabschnitt eher schaden als nützen? Sicherlich sollten sich die Eltern zunächst immer die Frage stellen, wie sie sich in einer solcher Situation gefühlt hätten, die sich ihren Kindern aufzwingen. Auch werden die Kinder schon um Hilfe bitten, wenn die Probleme und Sorgen zu groß werden; ein offenes Ohr zu den Erzählungen des Erlebten ist immer hilfreich, um zwischen den Zeilen vielleicht mögliche, ernste Schwierigkeiten frühzeitig zu erkennen. In solchen Fällen ist aber auch Zurückhaltung das erste Gebot, um den Kindern die Möglichkeit zu geben, die Situation selbstständig zu lösen und wertvolle Erfahrungen zu sammeln. Und schließlich bleibt festzuhalten, dass sich Eltern an den neuen Lebensabschnitt gewöhnen müssen – war man bei Kindern im Kindergarten- und Grundschulalter noch Mitspieler, saß man auf der weiterführenden Schule bereits nur noch auf der Ersatzbank. Im Studium muss man sich als Eltern wohl oder übel damit abfinden, dass man nur noch auf der Tribüne Platz nehmen darf, um das “Spiel” der Kinder zu beobachten. Dennoch sollte man als Eltern dIlse Zeit genießen, denn mit dem Berufsleben der Kinder und der darauf in der Regel folgenden Zeit, sobald die Kinder selber Eltern werden, beginnt die nächste entscheidende Phase als alle.

[Update vom 26.09.2016]

SPIEGEL Online hat heute einen Artikel mit dem Titel “Helikopter-Eltern nerven Studienberater. Liebe Mamas und Papas, SO bitte nicht” veröffentlicht, in dem Erfahrungen von Studienberatern mit fürsorglichen Eltern von Studierenden dargestellt sind. Bei den Schilderungen ist nicht ganz klar, ob man lachen oder weinen soll.